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Vernetzt, verletzt? Ergebnisse meiner Masterarbeit

Nachdem meine Masterarbeit inzwischen begutachtet wurde (vielen Dank nochmal an meine Erstkorrektorin Prof. Dr. Gabi Reinmann und meinen Zweitkorrektor Prof. Dr. Klaus Bredl) und ich seit gestern auch mein Abschlusszeugnis habe, möchte ich wie versprochen auch die Ergebnisse der Arbeit zugänglich machen. Alle Ergebnisse in einem Blogbeitrag abzuhandeln, würde allerdings etwas den Rahmen sprengen. Daher beschränke ich mich hier darauf, die zusammenfassende Beantwortung meiner Forschungsfragen aus der Arbeit zu zitieren und für weitergehende Informationen und Ergebnisse auf die Masterarbeit zu verweisen. Diese ist inzwischen auf der Website des Instituts für Medien und Bildungstechnologie (imb) der Universität Augsburg veröffentlicht: http://www.imb-uni-augsburg.de/medienpaedagogik/vernetzt-verletzt.

Die Ergebnisse beruhen auf den Umfragedaten von insgesamt 311 Jugendlichen, 199 Lehrern und 60 Eltern. Da die Umfragen nach dem Schneeballprinzip im Internet verbreitet worden sind, müssen die Ergebnisse als nicht repräsentativ eingestuft werden. Dennoch liefern sie einen umfangreichen Einblick in die Cyberbullying-Problematik unter Jugendlichen in Deutschland. Hier nun die zusammenfassende Beantwortung meiner drei Forschungsfragen:

  1. Wie stark tritt Cyberbullying im Vergleich zu klassischem Bullying unter Jugendlichen in Deutschland auf und welche Unterschiede lassen sich dabei in Bezug auf das Geschlecht, das Alter, die formale Bildung sowie die eingenommenen Rollen (Täter, Opfer) feststellen?
    Im Vergleich zum klassischen Bullying, von dem 8,4% der Jugendlichen als Victims, 6,8% als Bullies und 0,6% als Bully/Victims betroffen sind, tritt Cyberbullying deutlich seltener auf. Unter den befragten Jugendlichen sind gerade einmal 2,3% Cybervictims, 5,1% Cyberbullies und 0,3% Cyberbully/Victims. Somit sind nur wenige Jugendliche Opfer und Täter von Cyberbullying zugleich, wobei diese Aussage aufgrund der geringen Betroffenenzahl nicht signifikant ist. Unter den Cybervictims und den Cyberbullies ist der Anteil der Mädchen höher als unter klassischen Opfern und Tätern. Vor allem Jugendliche im Alter zwischen 12 und 15 Jahren sind in Cyberbullying involviert. Mit zunehmendem Alter nimmt die Cyberbullying-Beteiligung ab und ab 18 Jahren ist kein Jugendlicher mehr davon betroffen. Aussagen über Unterschiede in Bezug auf die formale Bildung sind aufgrund der geringen Cybervictim-Zahl nicht möglich. Jedoch zeigt sich, dass 12 der 16 Cyberbullies die Hauptschule besuchen.
    Deutliche Überschneidungen zeigen sich zwischen Victims und Cybervictims sowie zwischen Bullies und Cyberbullies. D.h., viele Cybervictims sind auch Opfer von klassischem Bullying und viele Bullies mobben ihre Opfer auch außerhalb des Internets. Cyberbullying kann also nicht losgelöst von traditionellem Bullying betrachtet werden, da sich beide Formen stark überschneiden. Cyberbullying bietet nur eine neue Plattform für Bullying, ist aber keine völlig neue Form an sich. Denn auch im Internet kommen Beschimpfungen, Beleidigungen und Dif-famierungen als Bullying-Formen (Harassment und Denigration) am häufigsten vor. Bullying-Formen, die spezifisch für das Internet sind, wie z.B. Impersonation oder Outing und Trickery, kommen hingegen eher selten vor.
  2. Welche Unterschiede ergeben sich bei der Wahrnehmung/Einschätzung von Cyberbullying und den damit verbundenen Gefahren zwischen Jugendlichen und Erwachsenen (Eltern, Lehrer)?
    Unterschiede zwischen Jugendlichen und Erwachsenen zeigen sich bei der Beurteilung, welche Bullying-Form sie für schlimmer halten: Im Vergleich zu Erwachsenen finden Jugendliche häufiger klassisches Bullying schlimmer oder halten sogar keine der beiden Formen für schlimm. Letztere Antwort gibt kein Erwachsener. Das geringe Problembewusstsein der Jugendlichen für Cyberbullying zeigt sich auch bei der Bewertung verschiedener Folgen für Opfer und Täter: Erwachsene halten sämtliche Folgen für wahrscheinlicher als die Jugendlichen. Die einzige Ausnahme bildet die Antwort, Cyberbullying hätte keine Auswirkungen auf das Opfer bzw. keine Folgen für den Täter, die Jugendliche häufiger als Erwachsene geben. Darüber hinaus ist es für Jugendliche eher normal, dass sie schroff miteinander umgehen, und sie stimmen öfter als Erwachsene zu, dass Beleidigungen und Drohungen im Internet reiner Spaß sind. Aggressionen untereinander, auch im Internet, scheinen für einige Jugendliche demnach normal zu sein und dazuzugehören, während Erwachsene solches Verhalten meistens für gefährlich halten.
    Ein weiterer wichtiger Unterschied zeigt sich in Bezug auf den Aspekt der Anonymität beim Cyberbullying, den vor allem Erwachsene für besonders ausschlaggebend und gefährlich halten. Für Jugendliche spielt Anonymität als Grund für Cyberbullying hingegen keine sehr große Rolle. Zudem wissen die meisten Cybervictims, wer sie mobbt, und die meisten Täter geben sich ihren Opfern zu erkennen. Das zeigt, dass Erwachsene diesen Aspekt überbewerten.
    Insgesamt nehmen Erwachsene das Problem Cyberbullying ernster und stufen die Folgen bzw. Gefahren, die es mit sich bringt, im Vergleich zu den Jugendlichen als schlimmer ein. Jugendliche haben hingegen deutlich mehr Erfahrung mit Aggressionen im Internet, stufen diese oft aber nicht als Cyberbullying ein, selbst wenn sie wiederholt vorkommen. Die Einschätzung, was als Cyberbullying gilt und wie schlimm es ist, scheint sich somit zwischen Erwachsenen und Jugendlichen deutlich zu unterscheiden, wenn dies auch nicht auf alle Jugendlichen zutrifft.
  3. Inwiefern bieten Social Networks eine besonders geeignete Plattform für Cyberbullying unter Jugendlichen?
    Fast alle Cybervictims geben an, dass sie mittels Onlinecommunities gemobbt worden sind. Zudem setzt auch die Mehrheit der Cyberbullies SNS ein, um ihre Opfer zu schikanieren. Andere Internetdienste kommen im Rahmen von Cyberbullying deutlich seltener zum Einsatz (außer Chats bei Cyberbullies). Außerdem beschreiben Jugendliche verschiedene Cyberbullying-Vorfälle in Onlinecommunities fast mit gleicher Häufigkeit, wie sie diese für das Internet insgesamt angeben. Somit belegen die Ergebnisse der Online-Umfrage unter Jugendlichen (wenn auch nicht repräsentativ), dass SNS in der Tat eine besonders geeignete Plattform für Cyberbullying bieten, da dort auch das meiste Cyberbullying stattfindet.
    Die Beantwortung dieser Forschungsfrage fällt im Vergleich zu den anderen beiden etwas knapp aus, was daran liegt, dass sich die Frage im Nachhinein als leicht zu beantworten herausgestellt hat. Weiterreichende Erkenntnisse zu diesem Thema sind mit den vorliegenden Erkenntnissen jedoch nicht möglich.

3 comments to Vernetzt, verletzt? Ergebnisse meiner Masterarbeit

  • Karl Hagemeister

    Danke für die Zusendung. Ich werde sie an Experten weitergeben.
    Wir haben im Bereich Gewaltprävention des AKJS- SH (Kinder und Jugendschutz) ein Handyscout-programm für SchülerInnen entwickelt. MfG Karl H.

  • Hallo Tamara, eine sehr tolle Arbeit! Glückwunsch zum Master! Frank

  • Danke für die Rückmeldung zu den Ergebnissen und den Link zur Masterarbeit. Ich habe meinen Aufrufartikel zur Umfrage damit aktualisiert ^^.

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