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Stand der Diss, die Dritte

Nach einigen Monaten Funkstille in diesem Blog und einigen technischen Problemen, die erst nach einem Hosting-Upgrade gelöst werden konnten, wird es mal wieder Zeit, dass ich was schreibe. Anlass dafür ist diesmal meine Präsentation im Doktorandenkolloquium vergangenen Freitag (16.12.). Das Kolloquium ist immer wieder eine gute Gelegenheit, nicht nur den anderen Teilnehmern zu präsentieren, wo ich gerade mit seiner Diss stehe, sondern auch, um mir selbst Gedanken darüber zu machen und zu schauen, was ich in den letzten Monaten eigentlich so alles gemacht habe.

Meine ersten Überlegungen darüber, was ich gerne in meiner Diss machen will, habe ich mir so richtig im Juni 2010 gemacht. Klar war damals schon, dass ich mich mit dem Einsatz digitaler Medien in der Fahrlehrerausbildung beschäftigen möchte, ausgehend von unserem EU-Projekt. Nach einer ersten Auseinandersetzung mit der Literatur zum Thema und den erfreulichen Entwicklung im Projekt rückte mein Fokus im Herbst 2010 auf den Einsatz der internetgestützten Videoreflexion in der Fahrlehrerausbildung, den ich in einer Fallstudie untersuchen wollte. Durch meine Forschungsnotiz und die Rückmeldungen darauf kam im November 2010 schließlich das Thema Implementation didaktischer Innovationen ins Spiel. Soweit die Genese meiner Themenfindung. Bis April 2011 widmete ich mich dann aber in erster Linie dem Abschluss des EU-Projektes, was auch die Erhebung der letzten Daten und eine deskriptive Auswertung für den Evaluationsbericht beinhaltet hat. Da jedoch das EU-Projekt die Ausgangsbasis für meine Arbeit ist und die im Projekt erhobenen Daten die Grundlage für meine Empirie bilden, kann ich nicht behaupten, dass ich in dieser Zeit gar nichts für die Diss gemacht hätte. :-)

Bei der Präsentation meines Stands der Dinge im Mai 2011 standen für mich deswegen vor allem die weitere Literaturarbeit sowie die Erstellung eines Zeitplans im Vordergrund. Gerade letzteres hing damals von der Frage der Nachfolgefinanzierung ab. Wie in diesem Blog aber bereits berichtet, hat sich diese Frage im Juni geklärt. Und so habe ich dann auch einen ersten groben Zeitplan gemacht, einfach weil ich für mich gewisse Meilensteine brauche, an denen ich mich orientieren kann (ist wohl Teil meines kleinen Planungsticks ;-) ) Die Zeit seit Mai habe ich aber vor allem dafür genutzt, mich mit der Literatur zu meinem Thema auseinanderzusetzen. Allerdings braucht das mehr Zeit, als ich zunächst gedacht habe (weshalb der erste Zeitplan schon etwas angepasst werden musste). Ein Grund dafür ist sicherlich, dass das Thema Innovations- und Implementationsforschung für mich noch völlig neu war und ich mich zunächst in die Thematik einlesen musste. Einen groben Überblick habe ich inzwischen, jetzt geht es ums Vertiefen. In Auseinandersetzung mit der Literatur zu diesem Thema kam mir der Gedanke, einen Fall aus dem EU-Projekt für ein weiteres Jahr wissenschaftlich zu begleiten. Es handelt sich dabei um das Verkehrsinstitut München (VM), eine Fahrlehrerausbildungsstätte, die die internetgestützte Videoreflexion auch nach Projektende weiterhin einsetzt. An diesem Beispiel möchte ich untersuchen, wie sich die internetgestützte Videoreflexion nicht nur innerhalb eines Pilotprojektes implementieren lässt, sondern wie der Einsatz auch verstetigt werden kann. Die Planung der Datenerhebung zu diesem Fall und meine Literaturarbeit waren also das, was mich seit Mai in Bezug auf meine Diss beschäftigt hat.

Meine Präsentation im Kolloquium war für mich daher ein guter Zeitpunkt, um alles, was ich gemacht und mir überlegt habe, wieder zu ordnen und alle aufgetauchten Fragen (die ich in meinem kleinen schwarzen Diss-Notizbuch aufschreibe) zu sammeln und zu sortieren. Außerdem habe ich die Gelegenheit genutzt, um meine Forschungsfragen zu überarbeiten und zu präzisieren, eine übergeordnete Zielsetzung zu formulieren und einen ersten groben Aufbau für den Theorieteil zu erstellen. Trotz der Fragen, die sich mir immer wieder stellen, sehe ich doch, dass ich in den letzten sechs Monaten vorangekommen bin (wenn auch nicht im gewünschten Tempo). Das Schöne ist, dass mich die vielen Fragen, die mir jetzt begegnen, nicht total verunsichern, sondern mir eher zeigen, dass ich vorankomme, denn die Art der Fragen hat sich verändert, ich frage immer vertiefter. Ganz ohne Verunsicherung geht es aber natürlich nach wie vor nicht, aber ich denke, das ist halbwegs normal.

Die Diskussion meiner Arbeit im Kolloquium fand ich auch diesmal wieder spannend und fruchtbar für mich. Mir ging es vor allem darum, mit den anderen zu klären, inwiefern meine übergeordnete Zielsetzung, die Forschungsfragen und mein erster Aufbau für den Theorieteil verständlich und nachvollziehbar sind und ob mein geplantes Vorgehen für die weitere Begleitung der Videoarbeit am VM sinnvoll erscheint. Insgesamt habe ich das Gefühl, hier auf dem richtigen Weg zu sein. Meine Forschungsfragen werde ich jetzt dahingehend überarbeiten, dass ich mit zwei Überfragen und einigen Unterfragen arbeiten: Zum einen möchte ich untersuchen, wie sich die internetgestützte Videoreflexion in der Aus- und Weiterbildung von Fahrlehrern implementieren in unterschiedlichen Kontexten (z.B. untersch. Länder) lässt und hier vertieft fragen, welche Erwartungen die beteiligten Ausbilder an die internetgestützte Videoreflexion haben, wie Ausbilder, Fahrlehrer und Fahrlehreranwärter die internetgestützte Videoreflexion nutzen und inwiefern das Konzept verändert und angepasst wird. Zum anderen möchte ich schauen, welche Veränderungen die Implementation bewirkt und dabei zwischen individuellen Wirkungen und sozialen Veränderungen unterscheiden.

Interessant war für mich auch die Frage danach, wie es die anderen Mit-Doktoranden mit dem Schreiben halten, also ob sie zuerst schreiben und dann die Daten auswerten oder andersrum. Als ich meinen ersten Zeitplan gemacht habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich nach der Literaturarbeit zuerst die Daten auswerten und erst dann schreiben werde. Inzwischen erscheint es mir sinnvoller, zuerst meine Theoriebausteine auszuformulieren und erst dann an die Datenanalyse zu gehen. Ich habe das Gefühl, das Gelesene erst schriftlich für mich verarbeiten zu müssen, bevor ich es sinnvoll für die Auswertung der Daten nutzen kann. Aus dem Kolloquium nehme ich mit, dass es auch dafür, wie für so ziemlich alles, kein Patentrezept gibt und man sich vor allem von seinem Gefühl leiten lassen soll. Zuerst Schreiben und dann Daten auswerten, macht durchaus Sinn. Aber in diesem Fall sollte man nicht am bereits Geschriebenen um jeden Preis festhalten, sondern offen dafür sein, dass man es wird nochmals überarbeiten müssen, da sich immer wieder etwas verändern kann, auch die eigene Gliederung.

Für die nächsten Monate steht bei mir nun weitere Literaturarbeit an: Ich möchte die Themen Innovations- und Implementationsforschung, Fahrlehrerausbildung und Videoreflexion vertiefen, bevor ich mich an das Schreiben der Theoriebausteine mache. Parallel dazu werde ich mich um die Datenerhebung im VM kümmern und meine letzten noch fehlenden Empirie-Teile präzisieren. Das nächste Mal werde ich im Juni 2012 meinen Stand der Dinge im Kolloquium präsentieren. Ich bin schon gespannt, wie weit ich bis dahin komme. :-)

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