Tags

Kalender

Juni 2013
M D M D F S S
« Apr    
 12
3456789
10111213141516
17181920212223
24252627282930

Die Frage aller Fragen, oder: Warum promoviere ich eigentlich?

Seit ich mich vor inzwischen fast zwei Jahren dazu entschieden habe, zu promovieren, werde ich immer wieder von Freunden, Verwandten, Bekannten und anderen Menschen gefragt, warum ich das eigentlich mache. Über eine Antwort musste ich eigentlich nie lange nachdenken. Ich mache das, weil mir die Projekt-Arbeit an der Uni viel Spaß macht und ich es interessant finde, mich mit einem wissenschaftlichen Thema vertieft über einen längeren Zeitraum zu beschäftigen. Das konnte ich beim Verfassen meiner Bachelor- und Masterarbeit schon feststellen. Soweit so gut. Da die Frage aber immer wieder kommt und einige Leute auch gerne vertieft fragen (Und was machst du später mal damit?), und ich mich das manchmal selbst frage, wenn ich mal eine der Diss-Tiefphasen habe (ja, die kommen immer mal wieder vor), wollte ich schon länger mal einen Beitrag dazu schreiben. Vielleicht geht es anderen Doktoranden ja ähnlich und ich dachte mir, eine Selbstreflexion über das Warum meiner Promotion könnte nicht schaden.

An sich ist es so, dass ich eigentlich früher nie eine Uni-Karriere angestrebt oder auch nur daran gedacht habe. Als ich anfing zu studieren, stand für mich fest, dass ich später mal im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation arbeiten möchte. An Bildungswissenschaften und Mediendidaktik habe ich damals nicht gedacht. Aber es kommt ja eh alles immer anders als man denkt. Wir hatten in Augsburg neben Kommunikationswissenschaft und Medieninformatik bei Gabi das Hauptfach Medienpädagogik. So bin ich das erste Mal Themen rund um das Lehren und Lernen mit Medien begegnet und schrieb dann meine Bachelorarbeit über bloggende Lehrer. Im Masterstudium arbeitete ich dann als studentische Hilfskraft an der Professur für Medienpädagogik. Das war die perfekte Möglichkeit, einen Einblick zu erhalten, wie die Arbeit an einer Professur eigentlich so aussieht. Auch als Hiwis hatten wir die Möglichkeiten, in Projekte der Professur reinzuschnuppern und eigene Ideen einzubringen. Und wir durften bei Interesse auch mal ins Doktorandenkolloquium kommen. Durch den Austausch mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern entstand bei mir so nach und nach ein ungefähres Bild davon, was es heißt, zu promovieren. Als mir Gabi dann die Möglichkeit angeboten hat, die Koordination und wissenschaftliche Begleitung vom EU-Projekt „Driver Instructor Education 2.0“ zu übernehmen, habe ich mich entschieden, erstmal an der Uni zu bleiben. Und damit fiel dann auch mehr oder weniger die Entscheidung für die Promotion. Das Projekt hat sich gut entwickelt, ich fand die Thematik spannend und so bin ich dann bei meinem Thema gelandet. :-)

Im Moment arbeite ich sehr gerne an der Uni, betreue schon mein zweites Projekt und schätze die Freiheiten, die ich hier habe, sehr. Ich finde die Projektarbeit sehr spannend, auch wenn sie manchmal an den Nerven zehrt. So ist es halt bei Projekten, nicht alles läuft immer, wie es soll, und es passieren immer wieder unvorhersehbare Dinge, auf die man dann spontan reagieren muss. Aber gerade dadurch lerne ich wirklich viel dazu und möchte das auch noch eine Weile machen. Ewig will ich mich aber nicht über Drittmittel finanzieren. Jeder, der das selbst muss oder mal musste, wird das vermutlich verstehen können. Anträge schreiben und dann zittern, ob diese auch bewilligt werden und damit eine Anschlussfinanzierung gesichert ist, ist zwar auch mal eine spannende Erfahrung, aber eben nichts, was ich auf Dauer machen möchte. Ich bin nur froh über den Rückhalt, den wir diesbezüglich bei Gabi haben. Danke dafür! Was ich mal machen werde, wenn die Diss fertig ist, kann ich im Moment selbst nicht sagen. Es gibt einige Dinge, die ich mir vorstellen kann, aber festlegen will ich mich noch nicht. Wer weiß, was noch alles passiert. Womit ich die Frage danach, was ich später mal machen will, zunächst mit „Mal sehen“ beantworten will. Man kann sein Leben ja nicht komplett durchplanen, auch ich habe das inzwischen gelernt. ;-)

Also, warum promoviere ich jetzt nochmal? Weil es mir in erster Linie Spaß macht und weil ich Dinge, die ich anfange, in der Regel auch zu Ende bringe (abgesehen von manchen Büchern, die ich bis heute noch nicht zu Ende gelesen habe). Natürlich gibt es Zeiten, in denen die Diss mich nervt und frustet und ich statt Literatur zu wälzen, lieber etwas anderes machen würde (gerade bei dem schönen Wetter im Moment). Ich bin auch immer mal wieder wahnsinnig unsicher, ob das, was ich mache, wirklich Sinn macht oder nicht doch unglaublich banal ist. Aber das ist zum Glück nicht immer so und gehört, so zumindest die Aussagen einiger bereits Promovierter, zum Prozess dazu. Und man muss lernen, mit solchen Momenten umzugehen. Da bin ich noch dabei. :-) Um den Doktor-Titel geht es mir nicht und besondere Vorteile auf dem Berufsmarkt verspreche ich mir davon auch nicht. Aber das lässt sich wohl erst hinterher wirklich beurteilen, daher versuche ich mir momentan möglichst noch keine Gedanken darüber zu machen.

Für mich hat die Promotion auch nicht die höchste Priorität in meinem Leben. Ich weiß, dass einige Promotions-Ratgeber einem raten, in der Zeit, in der man promoviert, die Diss erstmal über alles andere zu stellen. Das kann und ich will ich aber nicht tun und dazu stehe ich auch. Für mich haben immer noch Familie und Freunde (ich bin ein Herdentier, wie mein Mann so schön sagt) sowie meine Gesundheit (hier war der Kieferbruch letztes Jahr sehr lehrreich) die höchste Priorität. Ich weiß natürlich, dass irgendwann die Phase kommen wird, in der die Diss in die finale Phase geht und Freunde und Familie besonders viel Geduld mit mir brauchen werden. Ich bin ihnen jetzt schon dankbar, denn ich weiß, wie unausstehlich ich sein kann, wenn ich im Stress bin. Aber ich hoffe, dass ich Privatleben, Job und Diss auch weiterhin gut auf die Reihe bekommen werde.

2 comments to Die Frage aller Fragen, oder: Warum promoviere ich eigentlich?

  • Hi Tami,
    toller Beitrag!
    Freut mich, dass du hier über den Diss-Prozess und die Motivation schreibst, da kann ich mich gut wiedererkennen. Ich bin da im Prinzip auch “reingewachsen” und habe nach und nach entdeckt, wie toll ich das Leben und Arbeiten in der Uni finde :-) Einen richtigen Plan hatte ich auch nie im Kopf, allerdings wusste ich schon recht früh (während des Studiums), dass ich gerne an der Uni bleiben würde (in meinem Blog habe ich von meinem “Traum-Job” gesprochen: http://alexander-florian.de/?p=441), war mir aber lange nicht sicher, ob ich die wissenschaftliche Leistungsfähigkeit “aufbringe”.

    Wie du schreibst, spielt bei so etwas aber auch das (Uni-)Umfeld eine wesentliche Rolle. Insbesondere natürlich die Diss-Betreuung, aber auch die Mit-Doktoranden und das Kollegen-Team. Das war für mich wichtig und das tolle Team ist es natürlich immer noch :-)

    Ich bin schon gespannt, wie sich deine Arbeit weiterentwickelt und bin da sehr optimistisch.

    Liebe Grüße,
    Alex

    PS: Zur Diss-Endphase hatte ich in meinem Blog ein paar Einträge festgehalten (http://alexander-florian.de/?cat=3&paged=4). Wenn ich schon dabei bin: Zu der Diss-Phase, die ungefähr mit deiner vergleichbar ist, hatte ich auch mal einen Eintrag verfasst :http://alexander-florian.de/?p=56

  • Tami

    Hi Alex,

    ja, die Betreuung durch Gabi, unser tolles Team und die Doktoranden-Gruppe tragen ungemein zur Motivation und zum Spaß an der Arbeit bei! Ich weiß nicht, ob ich mich sonst je zur Promotion entschieden hätte. Denn schon als Hiwi habe ich mich im Team sehr wohl gefühlt und die damaligen wiss. Mitarbeiter hatten auch einen gewissen Einfluss auf meine Entscheidung, an der Uni zu bleiben. ;-)

    Danke dir auch für die Links zu deinem Blog. Finde es spannend, wie es anderen im Prozess ergangen ist und wie sie mit den Schwierigkeiten umgegangen sind.

    Liebe Grüße
    Tami

Leave a Reply

  

  

  

You can use these HTML tags

<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>