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Drei Jahre Fernbeziehung mit regelmäßig langen Zugfahrten und ständigen Verspätungen haben mein Bild der Deutschen Bahn geprägt. Trotzdem fahre ich immer wieder mal mit der Bahn (ist ja umweltfreundlicher) und versuche, nur dann zu fliegen, wenn die Bahnfahrt so lange dauert, dass eine zusätzliche Übernachtung nötig wird. Nach meinem Termin imVerkehrs-Institut Bielefeld vergangenen Freitag war das nicht der Fall, so dass ich genug Zeit hatte, Bahn zu fahren und im Zug hoffentlich ein wenig zu arbeiten. Dachte ich. Der erste Teil der Fahrt nach Hannover verlief recht unspektakulär, der Zug war halt, typisch Freitagmittag, ziemlich voll. Ab Hannover ging es dann mit dem ICE 587 weiter nach München. Nachdem der erste Ärger über fehlende Steckdosen verflogen war und ich mich schon damit abgefunden hatte, fünf Stunden rumbringen zu müssen, ohne arbeiten zu können (schwer ohne Laptop), ging es eigentlich. Bis wir nach ca. einer Stunde hinter Kassel in einen Tunnel fuhren und der Zug dort einfach liegen blieb.
Damit begann das Abenteuer Deutsche Bahn. Über eine Stunde wurden wir hingehalten mit der Aussage, dass der Triebwagen eine technische Störung hat, man aber weder Genaueres weiß noch sagen könnte, wann es weitergeht. Zu allem Übel war mit der technischen Störung auch ein Stromausfall verbunden. In unserem Waggon gab es immerhin Licht, aber Klimaanlage bzw. Lüftung waren ausgefallen. Macht sich bei einem überfüllten Zug natürlich super. In anderen Abteilen war sogar das Licht ausgefallen, mitten im Tunnel ist das sehr angenehm. Erst nach über einer Stunde wurde uns mitgeteilt, dass der Zug überhaupt nicht weiterfahren kann und wir nun in einen anderen Zug evakuiert werden. Der erste Zug, der auf dem Parallelgleis hielt, um Reisende unseres ICE 587 aufzunehmen, war nur dummerweise selbst total überfüllt – völlig unerwartet am Freitagnachmittag. Daher wurden zunächst nur einige wenige Menschen evakuiert, der Rest von uns durfte auf den nächsten Zug warten, während es immer heißer und stickiger wurde. Nach deutlich mehr als den angekündigten zehn Minuten kam dann auch der versprochene ICE, diesmal ein leerer mit genug Platz für alle Reisende unseres Zuges.
Man möchte ja meinen, dass das Bahn-Personal für solche Ereignisse geschult wird und weiß, wie man mit der Situation (Evakuierung eines Zuges) umgeht. Den Eindruck hatte aber wohl keiner der Reisenden. Statt die Leute zu beruhigen und dafür zu sorgen, dass die Evakuierung ruhig und gesittet abläuft, schien das Personal überfordert. Davon abgesehen, dass offensichtlich keiner der Beteiligten schonmal einen Rettungssteg zwischen zwei Zügen gelegt hatte, sorgte eine Rollstuhlfahrerin in unserem Abteil für völlige Ratlosigkeit beim Personal. Auf die Frage ihres Mannes, ob es denn möglich ist, sie mit dem Rollstuhl in den neuen Zug zu evakuieren, stammelte der DB-Mann etwas ratlos rum, meinte, er wisse das nicht, man müsste es mal probieren etc. Was den Mann, der gefragt hatte, noch mehr verunsicherte. Da man den Rollstuhl über den schmalen Steg nicht einfach drüberfahren konnte, sondern ihn tragen musste, sorgte das für das nächste Problem. Keiner der Bahn-Leute war bereit, hierbei zu helfen, weshalb dann andere Reisende bereitwillig eingesprungen sind. Zum Glück sind andere Menschen noch hilfsbereit.
Die restliche Evakuierung dauerte noch eine Weile, weil es auch etwas chaotisch ablief, die Leute hektisch raus wollten und das Personal wieder überhaupt nicht beruhigend eingegriffen hat. Naja. Im neuen Zug gab es dann zunächst Getränke und Essen umsonst, was ja ein nettes Zeichen ist. Nach über drei Stunden in einem total überhitzten Zug war es auch nötig. Nach über dreieinhalb Stunden fuhr der neue ICE dann auch endlich los und genau zu dem Zeitpunkt machte das Bord-Bistro dicht und bis München gab es dann keinerlei Getränke und Essen im Zug mehr. War wohl der erste Andrang zu groß…
Seien wir mal ehrlich, Pannen können immer vorkommen. Teile an Zügen gehen auch mal kaputt. (Interessant ist nur, dass ein Mitreisender berichtet hat, der ICE 587 hätte in der Vorwoche aus einem ganz ähnlichen Grund schon Verspätung gehabt – aber das ist eine andere Geschichte.) Was mich bei diesen Geschichten am meisten stört, ist die Informationspolitik der Bahn. Den Reisenden wird grundsätzlich nicht gesagt, was denn jetzt genau das Problem ist und Auskünfte, was weiter geplant ist, braucht man eh keine erwarten. Flo hat sich, während ich im Tunnel festsaß, bei der Bahn über Twitter erkundigt, was denn genau das Problem sei. Alles, was zurückkam, war, dass der ICE587 aufgrund einer technischen Störung Verspätung habe. Auf Flos Antwort, dass technische Störung und Verspätung bei einer Evakuierung mitten im Tunnel wohl ein Understatement seien, kam nur die Antwort, der Zug fällt jetzt aus und wird ersetzt (siehe Bild links). Dass die Bahn bei solchen Vorfällen nur mit Standardantworten reagiert und sich nicht mal die Mühe macht, genauere Informationen zu kommunizieren, finde ich ganz schön schwach.
Liebe Bahn, es würde mich sehr freuen, wenn ihr eure Informationspolitik in Zukunft vielleicht ein wenig überdenkt. Wenn ihr schon Twitter zur Kommunikation mit euren Kunden nutzt, dann schreibt doch bitte keine Standard-Plattitüden, wenn ihr auf außergewöhnliche Vorfälle angesprochen werdet und die Leute gerne ein paar Infos mehr hätten. Und schult doch bitte euer Personal ein bisschen besser, damit es in solchen Situationen den Leuten Mut machen und kompetent handeln kann. Oder ist es eure Politik, dass bei Evakuierungen andere Reisende Menschen, die z.B. im Rollstuhl sitzen, helfen müssen, während euer Personal nur überfordert danebensteht und zuschaut?
Nächste Woche bin ich auf meinen weiteren Besuchen bei den ViFa-Projektpartnern wieder auf Deutschlandtour, größtenteils mit der Bahn. Diesmal aber hoffentlich ohne Abenteuer und mit weniger Verspätung.
Dank dem 6. Fit to Drive-Kongress bin ich vergangene Woche zum ersten Mal in Barcelona gewesen. Die Stadt ist wirklich toll, habe mich gleich in sie verliebt. Der Besuch des Kongresses hat sich also allein wegen der Stadt schon gelohnt. Aber nicht nur deswegen. Fit to Drive ist ein Kongress, der regelmäßig vom Verband der TÜV e.V. (VdTÜV) in Kooperation mit Partnerorganisationen aus dem jeweiligen Gastgeberland veranstaltet wird und sich ganz übergeordnet den Themen Verkehrssicherheit und Fahrtüchtigkeit widmet, dieses Jahr unter dem Motto “Reality and Vision – Common problems, European solutions“. Vertreter aus dem Bereich der Verkehrspsychologie und der Verkehrsmedizin sowie aus Politik und Verwaltung diskutieren dort gemeinsam über verschiedene Möglichkeiten, wie die Verkehrssicherheit weiterhin erhöht werden kann.
Eigentlich hätte ich bereits vergangenes Jahr am Fit to Drive-Kongress in Den Haag teilnehmen und dort unser inzwischen abgeschlossenes EU-Projekt “Driver Instructor Education 2.0″ vorstellen sollen. Leider kam mir aber wenige Tage vor dem Kongress mein Fahrradunfall dazwischen. Da sich unser aktuelles Projekt “Videoeinsatz in der Fahrlehrerausbildung (ViFa)” ebenfalls einem Thema widmet, dass gut zur Ausrichtung des Kongresses passt, habe ich dieses Jahr eine zweite Chance zur Teilnahme bekommen. Unter der Auflage, dass ich in den Wochen vor dem Kongress auf das Fahrradfahren verzichte – was ich natürlich auch gemacht habe. Für mich war Fit to Drive der erste große internationale Kongress, an dem ich bislang außerhalb Deutschlands teilgenommen habe und dessen Zielpublikum mir vorher unbekannt war. Entsprechend war ich im Vorfeld auch aufgeregt. Hinzu kam noch, dass der Vortrag auf Englisch gehalten werden musste und die meisten anderen Redner Profs oder Doktoren waren. Im Nachhinein bin ich aber sehr froh, mich dieser Herausforderung gestellt zu haben, denn ich hatte eine schöne Zeit in Barcelona, habe unser Projekt einem internationalen Publikum vorstellen können, habe viele interessante Personen kennengelernt und mal wieder einiges dazugelernt.
Fit to Drive war der erste Kongress zum Thema Verkehrssicherheit, den ich bislang besucht habe. Umso interessanter fand ich es zu hören, welche Themen in diesem Bereich aktuell diskutiert werden. 2001 hatte sich die EU das Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten bis 2010 zu halbieren. Seit damals konnte diese Zahl um immerhin 43 Prozent reduziert werden. Bei seiner Eröffnungsrede sprach Dr. Klaus Brüggemann vom VdTÜV aber sogar von “Vision 0″. Auch wenn die Zahl der Verkehrstoten im letzten Jahr in Deutschland seit langem wieder gestiegen ist, sei es das langfristige Ziel, tödliche Verkehrsunfälle komplett zu verhindern. Und das solle durch Bildung, Infrastruktur und gesetzliche Regelungen erreicht werden.
Themen des Kongresses waren dann vor allem die Primärprevention in Vorschule, Schule, Verkehrserziehung und Fahrschule, Sekundär- und Tertiärprävention mit besonderem Augenmerk auf Verkehrsteilnehmer mit Alkohol- und Drogenproblemen sowie Fahreignungsbegutachtung, verkehrspsychologische Beratung, Rehabilitation und Therapie in den EU-Staaten. Der Fokus lag dabei vor allem auf den (angehenden) Fahrern und anderen Verkehrsteilnehmern. Fahrlehrer, also diejenigen, die den künftigen Fahrern alle nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten für ein sicheres, verantwortungsvolles und umweltbewusstes Fahren vermitteln sollen, kamen nur am Rande zur Sprache.
Genau um diese Zielgruppe, die Fahrlehrer, ging es aber in meinem Vortrag. Denn im ViFa-Projekt beschäftigen wir uns damit, wie die Fahrlehrerausbildung durch den Einsatz von Videotechnologien und den Austausch von Wissen und Erfahrungen der Ausbilder zu diesem Thema verbessert werden kann. Im Vorfeld habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, was genau ich in Barcelona über unser Projekt erzählen möchte. Denn bislang ist einiges nicht ganz so gelaufen, wie wir es uns vorgestellt oder erwartet hatten. Vor allem die aktive Beteiligung in unserer Community “Fahrlehrer-Netz” ist bisland eher verhalten. Aber so ist es wohl mit Projekten, vieles läuft eben anders als gedacht, weil man menschliches Handeln im Vorfeld nicht durchplanen kann. Letztendlich bin ich in Barcelona offensiv mit den Herausforderungen, die uns im Projekt begegnen, umgegangen. Und ich hatte das Gefühl, dass das gut beim Publikum angekommen ist. Oft kommt es mir so vor, dass auf Tagungen und Kongressen eher von Erfolgen und positiven Ergebnissen berichtet wird, aber weniger über Herausforderungen und Probleme. Dabei kann man gerade aus letzteren ebenfalls viel lernen und mit anderen darüber diskutieren, wie man diese lösen könnte. Unsere größten Herausforderungen im Moment sind die Konkurrenzsituation der Fahrlehrerausbildungsstätten (unserer Praxispartner) untereinander, was den Wissensaustausch erschwert, die Medienkompetenz einiger Community-Nutzer sowie das klassische Zeitproblem der Nutzer, dass einem immer begegnet, wenn man Neuerungen in routinierte Arbeitsabläufe einführt.
Die nächsten Schritte im Projekt werden jetzt für mich sein, die bisherigen Projektaktivitäten und die Gründe für die geringe Community-Aktivität genau zu untersuchen und anschließend Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Die Reaktionen auf meinen Vortrag in Barcelona haben mich darin bestärkt, unser Projektziel, Standards für die Lehrkompetenzförderung in der Fahrlehrerausbildung (durch Videoeinsatz) aus der Praxis heraus zu entwickeln, weiterhin zu verfolgen. Fahrlehrer stehen heute vor großen Herausforderungen in ihrem berflichen Alltag und ihre Ausbildung muss sie bestmöglich darauf vorbereiten. Denn nur, wenn wir gut ausgebildete Fahrlehrer haben, wird es auch eine sehr gute Fahrausbildung geben – eine Grundlage für die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Daher bin ich gespannt, wie sich das Berufsbild der Fahrlehrer in den kommenden Jahren entwickeln wird. Die Ausbildungssysteme innerhalb Europas sind sehr unterschiedlich und dennoch fordert das Road Safety Programme der EU von 2010, dass grundlegende Kriterien für Fahrlehrer in Europa eingeführt werden. Die Palette an Ausbildungssystemen reicht momentan von einem kaum regulierten Zugang zum Fahrlehrerberuf in Belgien bis hin zu einem FH-Studium für angehende Fahrlehrer in Norwegen. Bleibt abzuwarten, welchem System sich die grundlegenden Kriterien mal annähern werden.
Seit ich mich vor inzwischen fast zwei Jahren dazu entschieden habe, zu promovieren, werde ich immer wieder von Freunden, Verwandten, Bekannten und anderen Menschen gefragt, warum ich das eigentlich mache. Über eine Antwort musste ich eigentlich nie lange nachdenken. Ich mache das, weil mir die Projekt-Arbeit an der Uni viel Spaß macht und ich es interessant finde, mich mit einem wissenschaftlichen Thema vertieft über einen längeren Zeitraum zu beschäftigen. Das konnte ich beim Verfassen meiner Bachelor- und Masterarbeit schon feststellen. Soweit so gut. Da die Frage aber immer wieder kommt und einige Leute auch gerne vertieft fragen (Und was machst du später mal damit?), und ich mich das manchmal selbst frage, wenn ich mal eine der Diss-Tiefphasen habe (ja, die kommen immer mal wieder vor), wollte ich schon länger mal einen Beitrag dazu schreiben. Vielleicht geht es anderen Doktoranden ja ähnlich und ich dachte mir, eine Selbstreflexion über das Warum meiner Promotion könnte nicht schaden.
An sich ist es so, dass ich eigentlich früher nie eine Uni-Karriere angestrebt oder auch nur daran gedacht habe. Als ich anfing zu studieren, stand für mich fest, dass ich später mal im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation arbeiten möchte. An Bildungswissenschaften und Mediendidaktik habe ich damals nicht gedacht. Aber es kommt ja eh alles immer anders als man denkt. Wir hatten in Augsburg neben Kommunikationswissenschaft und Medieninformatik bei Gabi das Hauptfach Medienpädagogik. So bin ich das erste Mal Themen rund um das Lehren und Lernen mit Medien begegnet und schrieb dann meine Bachelorarbeit über bloggende Lehrer. Im Masterstudium arbeitete ich dann als studentische Hilfskraft an der Professur für Medienpädagogik. Das war die perfekte Möglichkeit, einen Einblick zu erhalten, wie die Arbeit an einer Professur eigentlich so aussieht. Auch als Hiwis hatten wir die Möglichkeiten, in Projekte der Professur reinzuschnuppern und eigene Ideen einzubringen. Und wir durften bei Interesse auch mal ins Doktorandenkolloquium kommen. Durch den Austausch mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern entstand bei mir so nach und nach ein ungefähres Bild davon, was es heißt, zu promovieren. Als mir Gabi dann die Möglichkeit angeboten hat, die Koordination und wissenschaftliche Begleitung vom EU-Projekt „Driver Instructor Education 2.0“ zu übernehmen, habe ich mich entschieden, erstmal an der Uni zu bleiben. Und damit fiel dann auch mehr oder weniger die Entscheidung für die Promotion. Das Projekt hat sich gut entwickelt, ich fand die Thematik spannend und so bin ich dann bei meinem Thema gelandet.
Im Moment arbeite ich sehr gerne an der Uni, betreue schon mein zweites Projekt und schätze die Freiheiten, die ich hier habe, sehr. Ich finde die Projektarbeit sehr spannend, auch wenn sie manchmal an den Nerven zehrt. So ist es halt bei Projekten, nicht alles läuft immer, wie es soll, und es passieren immer wieder unvorhersehbare Dinge, auf die man dann spontan reagieren muss. Aber gerade dadurch lerne ich wirklich viel dazu und möchte das auch noch eine Weile machen. Ewig will ich mich aber nicht über Drittmittel finanzieren. Jeder, der das selbst muss oder mal musste, wird das vermutlich verstehen können. Anträge schreiben und dann zittern, ob diese auch bewilligt werden und damit eine Anschlussfinanzierung gesichert ist, ist zwar auch mal eine spannende Erfahrung, aber eben nichts, was ich auf Dauer machen möchte. Ich bin nur froh über den Rückhalt, den wir diesbezüglich bei Gabi haben. Danke dafür! Was ich mal machen werde, wenn die Diss fertig ist, kann ich im Moment selbst nicht sagen. Es gibt einige Dinge, die ich mir vorstellen kann, aber festlegen will ich mich noch nicht. Wer weiß, was noch alles passiert. Womit ich die Frage danach, was ich später mal machen will, zunächst mit „Mal sehen“ beantworten will. Man kann sein Leben ja nicht komplett durchplanen, auch ich habe das inzwischen gelernt.
Also, warum promoviere ich jetzt nochmal? Weil es mir in erster Linie Spaß macht und weil ich Dinge, die ich anfange, in der Regel auch zu Ende bringe (abgesehen von manchen Büchern, die ich bis heute noch nicht zu Ende gelesen habe). Natürlich gibt es Zeiten, in denen die Diss mich nervt und frustet und ich statt Literatur zu wälzen, lieber etwas anderes machen würde (gerade bei dem schönen Wetter im Moment). Ich bin auch immer mal wieder wahnsinnig unsicher, ob das, was ich mache, wirklich Sinn macht oder nicht doch unglaublich banal ist. Aber das ist zum Glück nicht immer so und gehört, so zumindest die Aussagen einiger bereits Promovierter, zum Prozess dazu. Und man muss lernen, mit solchen Momenten umzugehen. Da bin ich noch dabei. Um den Doktor-Titel geht es mir nicht und besondere Vorteile auf dem Berufsmarkt verspreche ich mir davon auch nicht. Aber das lässt sich wohl erst hinterher wirklich beurteilen, daher versuche ich mir momentan möglichst noch keine Gedanken darüber zu machen.
Für mich hat die Promotion auch nicht die höchste Priorität in meinem Leben. Ich weiß, dass einige Promotions-Ratgeber einem raten, in der Zeit, in der man promoviert, die Diss erstmal über alles andere zu stellen. Das kann und ich will ich aber nicht tun und dazu stehe ich auch. Für mich haben immer noch Familie und Freunde (ich bin ein Herdentier, wie mein Mann so schön sagt) sowie meine Gesundheit (hier war der Kieferbruch letztes Jahr sehr lehrreich) die höchste Priorität. Ich weiß natürlich, dass irgendwann die Phase kommen wird, in der die Diss in die finale Phase geht und Freunde und Familie besonders viel Geduld mit mir brauchen werden. Ich bin ihnen jetzt schon dankbar, denn ich weiß, wie unausstehlich ich sein kann, wenn ich im Stress bin. Aber ich hoffe, dass ich Privatleben, Job und Diss auch weiterhin gut auf die Reihe bekommen werde.
Nach einigen Monaten Funkstille in diesem Blog und einigen technischen Problemen, die erst nach einem Hosting-Upgrade gelöst werden konnten, wird es mal wieder Zeit, dass ich was schreibe. Anlass dafür ist diesmal meine Präsentation im Doktorandenkolloquium vergangenen Freitag (16.12.). Das Kolloquium ist immer wieder eine gute Gelegenheit, nicht nur den anderen Teilnehmern zu präsentieren, wo ich gerade mit seiner Diss stehe, sondern auch, um mir selbst Gedanken darüber zu machen und zu schauen, was ich in den letzten Monaten eigentlich so alles gemacht habe.
Meine ersten Überlegungen darüber, was ich gerne in meiner Diss machen will, habe ich mir so richtig im Juni 2010 gemacht. Klar war damals schon, dass ich mich mit dem Einsatz digitaler Medien in der Fahrlehrerausbildung beschäftigen möchte, ausgehend von unserem EU-Projekt. Nach einer ersten Auseinandersetzung mit der Literatur zum Thema und den erfreulichen Entwicklung im Projekt rückte mein Fokus im Herbst 2010 auf den Einsatz der internetgestützten Videoreflexion in der Fahrlehrerausbildung, den ich in einer Fallstudie untersuchen wollte. Durch meine Forschungsnotiz und die Rückmeldungen darauf kam im November 2010 schließlich das Thema Implementation didaktischer Innovationen ins Spiel. Soweit die Genese meiner Themenfindung. Bis April 2011 widmete ich mich dann aber in erster Linie dem Abschluss des EU-Projektes, was auch die Erhebung der letzten Daten und eine deskriptive Auswertung für den Evaluationsbericht beinhaltet hat. Da jedoch das EU-Projekt die Ausgangsbasis für meine Arbeit ist und die im Projekt erhobenen Daten die Grundlage für meine Empirie bilden, kann ich nicht behaupten, dass ich in dieser Zeit gar nichts für die Diss gemacht hätte.
Bei der Präsentation meines Stands der Dinge im Mai 2011 standen für mich deswegen vor allem die weitere Literaturarbeit sowie die Erstellung eines Zeitplans im Vordergrund. Gerade letzteres hing damals von der Frage der Nachfolgefinanzierung ab. Wie in diesem Blog aber bereits berichtet, hat sich diese Frage im Juni geklärt. Und so habe ich dann auch einen ersten groben Zeitplan gemacht, einfach weil ich für mich gewisse Meilensteine brauche, an denen ich mich orientieren kann (ist wohl Teil meines kleinen Planungsticks ) Die Zeit seit Mai habe ich aber vor allem dafür genutzt, mich mit der Literatur zu meinem Thema auseinanderzusetzen. Allerdings braucht das mehr Zeit, als ich zunächst gedacht habe (weshalb der erste Zeitplan schon etwas angepasst werden musste). Ein Grund dafür ist sicherlich, dass das Thema Innovations- und Implementationsforschung für mich noch völlig neu war und ich mich zunächst in die Thematik einlesen musste. Einen groben Überblick habe ich inzwischen, jetzt geht es ums Vertiefen. In Auseinandersetzung mit der Literatur zu diesem Thema kam mir der Gedanke, einen Fall aus dem EU-Projekt für ein weiteres Jahr wissenschaftlich zu begleiten. Es handelt sich dabei um das Verkehrsinstitut München (VM), eine Fahrlehrerausbildungsstätte, die die internetgestützte Videoreflexion auch nach Projektende weiterhin einsetzt. An diesem Beispiel möchte ich untersuchen, wie sich die internetgestützte Videoreflexion nicht nur innerhalb eines Pilotprojektes implementieren lässt, sondern wie der Einsatz auch verstetigt werden kann. Die Planung der Datenerhebung zu diesem Fall und meine Literaturarbeit waren also das, was mich seit Mai in Bezug auf meine Diss beschäftigt hat.
Meine Präsentation im Kolloquium war für mich daher ein guter Zeitpunkt, um alles, was ich gemacht und mir überlegt habe, wieder zu ordnen und alle aufgetauchten Fragen (die ich in meinem kleinen schwarzen Diss-Notizbuch aufschreibe) zu sammeln und zu sortieren. Außerdem habe ich die Gelegenheit genutzt, um meine Forschungsfragen zu überarbeiten und zu präzisieren, eine übergeordnete Zielsetzung zu formulieren und einen ersten groben Aufbau für den Theorieteil zu erstellen. Trotz der Fragen, die sich mir immer wieder stellen, sehe ich doch, dass ich in den letzten sechs Monaten vorangekommen bin (wenn auch nicht im gewünschten Tempo). Das Schöne ist, dass mich die vielen Fragen, die mir jetzt begegnen, nicht total verunsichern, sondern mir eher zeigen, dass ich vorankomme, denn die Art der Fragen hat sich verändert, ich frage immer vertiefter. Ganz ohne Verunsicherung geht es aber natürlich nach wie vor nicht, aber ich denke, das ist halbwegs normal.
Die Diskussion meiner Arbeit im Kolloquium fand ich auch diesmal wieder spannend und fruchtbar für mich. Mir ging es vor allem darum, mit den anderen zu klären, inwiefern meine übergeordnete Zielsetzung, die Forschungsfragen und mein erster Aufbau für den Theorieteil verständlich und nachvollziehbar sind und ob mein geplantes Vorgehen für die weitere Begleitung der Videoarbeit am VM sinnvoll erscheint. Insgesamt habe ich das Gefühl, hier auf dem richtigen Weg zu sein. Meine Forschungsfragen werde ich jetzt dahingehend überarbeiten, dass ich mit zwei Überfragen und einigen Unterfragen arbeiten: Zum einen möchte ich untersuchen, wie sich die internetgestützte Videoreflexion in der Aus- und Weiterbildung von Fahrlehrern implementieren in unterschiedlichen Kontexten (z.B. untersch. Länder) lässt und hier vertieft fragen, welche Erwartungen die beteiligten Ausbilder an die internetgestützte Videoreflexion haben, wie Ausbilder, Fahrlehrer und Fahrlehreranwärter die internetgestützte Videoreflexion nutzen und inwiefern das Konzept verändert und angepasst wird. Zum anderen möchte ich schauen, welche Veränderungen die Implementation bewirkt und dabei zwischen individuellen Wirkungen und sozialen Veränderungen unterscheiden.
Interessant war für mich auch die Frage danach, wie es die anderen Mit-Doktoranden mit dem Schreiben halten, also ob sie zuerst schreiben und dann die Daten auswerten oder andersrum. Als ich meinen ersten Zeitplan gemacht habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich nach der Literaturarbeit zuerst die Daten auswerten und erst dann schreiben werde. Inzwischen erscheint es mir sinnvoller, zuerst meine Theoriebausteine auszuformulieren und erst dann an die Datenanalyse zu gehen. Ich habe das Gefühl, das Gelesene erst schriftlich für mich verarbeiten zu müssen, bevor ich es sinnvoll für die Auswertung der Daten nutzen kann. Aus dem Kolloquium nehme ich mit, dass es auch dafür, wie für so ziemlich alles, kein Patentrezept gibt und man sich vor allem von seinem Gefühl leiten lassen soll. Zuerst Schreiben und dann Daten auswerten, macht durchaus Sinn. Aber in diesem Fall sollte man nicht am bereits Geschriebenen um jeden Preis festhalten, sondern offen dafür sein, dass man es wird nochmals überarbeiten müssen, da sich immer wieder etwas verändern kann, auch die eigene Gliederung.
Für die nächsten Monate steht bei mir nun weitere Literaturarbeit an: Ich möchte die Themen Innovations- und Implementationsforschung, Fahrlehrerausbildung und Videoreflexion vertiefen, bevor ich mich an das Schreiben der Theoriebausteine mache. Parallel dazu werde ich mich um die Datenerhebung im VM kümmern und meine letzten noch fehlenden Empirie-Teile präzisieren. Das nächste Mal werde ich im Juni 2012 meinen Stand der Dinge im Kolloquium präsentieren. Ich bin schon gespannt, wie weit ich bis dahin komme.
Dieses Jahr habe ich mal wieder die GMW-Tagung besucht, die zusammen mit der DELFI und der GENEME unter dem Motto „Wissensgemeinschaften 2011“ vom 5. bis zum 8. September an der Technischen Universität in Dresden stattgefunden hat. Da ich zuvor noch nie in Dresden gewesen bin, aber schon viel Gutes über die Stadt gehört habe, freute ich mich alleine deswegen auf den Besuch dort. Die Teilnahme an der Tagung war für mich in diesem Jahr aber auch mit gleich drei Beiträgen verbunden.
Am Montag, 5. September, habe ich zunächst im Rahmen der Doktorierendenforums mein Dissertationsvorhaben vorgestellt und mit den anderen diskutiert. Spannend war für mich hierbei, auch mal Input von Doktoranden anderer Universitäten zu bekommen, aber auch einen Einblick in die Promotionsvorhaben anderer Doktoranden zu erhalten. Im Anschluss an das Doktorandenforum haben wir mit denjenigen, die das Doktorandenforum organisiert haben, über die Zukunft der Nachwuchsförderung der GMW unterhalten. Dabei sind, wie ich finde, einige interessante Ideen diskutiert worden. Auf die Umsetzung bin ich schon sehr gespannt. Da diese ohne Beteiligung von Doktoranden nur schwer möglich ist, habe ich mich zusammen mit einigen anderen bereit erklärt, bei dem Thema „Doktoranden-Community“ mitzudenken, worauf ich mich auch schon freue. Eine Vernetzung unter Doktoranden aus unserem Fachbereich finde ich auf jeden Fall eine gute Idee.
Neben dem Doktorandenforum sind mir auch die beiden Keynotes, die ich besucht habe (Wikipedia und GuttenPlag) gut in Erinnerung geblieben. Die Themen an sich fand ich sehr interessant, hatte mir von den beiden Vorträgen mehr erwartet. Wie Sandra schon schreibt, wäre mehr Tiefgang und Wissenschaftlichkeit wünschenswert gewesen. Beide Keynotes hatten für mich einen leicht werblichen Charakter und weniger einen wissenschaftlichen. Wer an den Keynotes der Tagung interessiert ist, kann sich die Video-Mitschnitte hier anschauen.
Der Dienstag war für mich ein entspannter Tagungstag, da ich hier keinen eigenen Vortrag hatte. Anders als am Mittwoch, wo gleich zwei Vorträge anstanden. Daher war es mir auch leider nicht möglich, einige Präsentationen, die ich gerne gehört hätte, zu besuchen, da diese parallel lagen. Immerhin kann ich sie jetzt aber im Tagungsband nachlesen, dass auch online zugänglich ist.
Mein erster Vortrag am Mittwoch, zum gemeinsamen Artikel von Gabi und mir, widmete sich unseren beiden Fahrlehrer-Projekten: Unter dem Titel „Videoreflexion und Wissenskooperation in der Fahrlehrerausbildung“ habe ich über unsere Erfahrungen und Ergebnisse aus unserem inzwischen abgeschlossenen EU-Projekt „Driver Instructor Education 2.0“ (DRIE) berichtet sowie vorgestellt, welches Ziel das darauf aufbauende BMBF-Projekt „Videoeinsatz in der Fahrlehrerausbildung“ (ViFa) verfolgt (die Folien zum Vortrag finden sich hier). Besonders erfreulich für mich: Inzwischen ist unser EU-Projekt von der EU geprüft worden und mit insgesamt 9 Punkten bewertet worden. Besser hätte es nicht laufen können.
Zusammen mit Sandra und Kerstin habe ich beim zweiten Vortrag über unseren Versuch zur uniübergreifenden Vernetzung von zwei Seminaren berichtet: „Lehren und Lernen unter vernetzten Bedingungen gestalten: Qualitäts- oder Komplexitätssteigerung?“. Bei Sandra kann man mehr dazu nachlesen. Die Folien zum Vortrag stehen hier zur Verfügung.
Insgesamt blicke ich zufrieden auf meine Teilnahme an der diesjährigen GMW-Tagung zurück. Ich habe viele interessante Gespräche führen und einigen interessanten Vorträgen lauschen können. Und ich hatte selbst mal wieder die Gelegenheit, die Projekte, an denen ich arbeite, einem größeren Publikum präsentieren zu können. Die GMW-Tagung im nächsten Jahr wird in Wien stattfinden. Sollte ich wieder dabei sein, werde ich natürlich berichten.
In meinem Beitrag zum Ende des EU-Projektes hatte ich schon angekündigt, dass nun hoffentlich ein neues Projekt auf mich wartet. Inzwischen hoffe ich nicht mehr darauf, denn das Projekt wurde bewilligt. Es heißt “Videoeinsatz in der Fahrlehrerausbildung (ViFa) – Teilvorhaben: Koordination und wissenschaftliche Begleitung einer Professional Pattern-Community in der Fahrlehrerausbildung“, läuft bis Ende November 2012 und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert (bzw. bei unseren beiden Partnern zu 50 Prozent auch vom Europäischen Sozialfonds – ESF). Der Titel sagt schon, dass die Thematik des Projektes nicht allzu weit weg entfernt ist vom EU-Projekt und in der Tat ist es so, dass unsere Erfahrungen aus dem EU-Projekt der Ausgangspunkt für den neuen Projektantrag waren. Während wir uns im EU-Projekt aber auf ein ganz bestimmtes Lehr-Lernsetting, die internetgestützte Videoreflexion, in der Fahrlehrerausbildung konzentriert haben, wird es im neuen Projekt darum gehen, den Austausch der Ausbilder über den Einsatz von Videotechnologien zur Lehrkompetenzförderung angehender Fahrlehrer anzuregen und auf diesem Wege Standards zu entwickeln. Dafür soll eine Professional Community aufgebaut werden. Demnächst wird eine Projekt-Website eingerichtet, wo dann weitere Infos zu finden sein werden. Ich werde dann darauf verlinken.
Ich freue mich sehr, dass das Projekt bewilligt wurde, denn der Weg bis dahin war weit. Bereits vor einem Jahr haben wir eine Projektskizze auf die BMBF-Förderbekanntmachung “Digitale Medien in der beruflichen Bildung” eingereicht, Ende September kam die Aufforderung, einen Antrag zu stellen, den wir im Dezember fertig hatten. Nach einigen Nachforderungen im März kam dann Ende Juni endlich der Förderbescheid und meine Erleichterung war erstmal groß. Ich war zum ersten Mal am gesamten Prozess eines Projektantrags beteiligt. Ich konnte mich von Anfang an an der Entwicklung und Konkretisierung der Projektidee beteiligen, musste das Ganze in die formalen Vorgaben bringen, habe nach Projektpartnern gesucht und diese in unser Vorhaben eingebunden, habe mich mit dem Projektträger und unserer Verwaltung ausgetauscht, etc. Kurz gesagt: Ich konnte viele neue Erfahrungen sammeln und einiges dazulernen. Wie schon beim EU-Projekt ist es seit 1. Juli nun meine Aufgabe, dass Projekt zu koordinieren und wissenschaftlich zu begleiten. Unsere Partner im Projekt sind das Verkehrsinstitut München, das auch schon im EU-Projekt als stiller Partner beteiligt war und nun vor allem für die Entwicklung und die praktische Erprobung der Professional Community zuständig sein wird, sowie die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fahrlehrerausbildungsstätten e.V. (BAGFA), die den Aufbau, die Verbreitung und die politische Etablierung der Community übernehmen wird. Die BAGFA wird im Projekt zudem mit fünf weiteren Fahrlehrerausbildungsstätten sowie der Bundesvereinigung der Fahrlehrerverbände e.V. zusammenarbeiten. Ich bin schon gespannt auf unseren ersten Projektworkshop am 18. Juli in Düsseldorf, bei dem sich alle Beteiligten zum ersten Mal treffen werden.
Auf meine neue Aufgabe freue ich mich aus verschiedenen Gründen. Zum einen arbeite ich weiterhin am Thema der mediengestützten Fahrlehrerausbildung und bin damit nah dran an meinem Promotionsthema. Und Projektmanagement hat mir schon beim EU-Projekt viel Spaß gemacht. Zum anderen bin ich froh, nach einigen Monaten der Unsicherheit nun endlich zu wissen, was ich die nächsten eineinhalb Jahre machen werde. Wenn man an der Uni arbeitet, so muss man sich daran gewöhnen, eine zeitlich befristete Anstellung zu haben. Bei Drittmittelprojekten kommt dann immer die Unsicherheit dazu, ob ein Projekt nun bewilligt wird oder nicht. Mir war zwar bewusst, worauf ich mich “einlasse”, trotzdem wird man irgendwann nervös, wenn die Rückmeldung auf einen Projektantrag auf sich warten lässt. Und noch anstrengender ist es, wenn andere Menschen, die nicht an der Uni arbeiten und das auch nie gemacht haben, ständig fragen, warum ich immer nur für eine bestimmte Zeit eingestellt bin und warum es für meine Chefin nicht einfach möglich ist, mich weiterzubeschäftigen, ohne neue Drittmittel zu haben. Diese Fragen bleiben mir aber die nächsten eineinhalb Jahre aber hoffentlich erspart.
Die vergangenen Monate habe ich mich vor allem mit dem Abschluss des EU-Projektes beschäftigt, Daten ausgewertet, den Evaluationsbericht verfasst und den Endbericht geschrieben. Mit meinem Dissertationsvorhaben habe ich mich in dieser Zeit weniger beschäftigt. Allerdings ist das EU-Projekt die Ausgangsbasis für meine Arbeit und die im Projekt erhobenen Daten sind die Grundlage für meine Empirie. Somit war die intensive Beschäftigung mit dem Projekt auch für mein Dissertationsvorhaben relevant. Den Gesamtüberblick über mein Vorhaben habe ich in letzter Zeit aber etwas aus den Augen verloren. Daher kam die Präsentation von meinem Stand der Dinge am 20.05. im Doktorandenkolloquium für mich genau richtig. Im Vorfeld habe ich zunächst für mich selbst sortiert, wo ich gerade stehe, was im letzten Jahr alles passiert ist, welche Schritte aus meiner Sicht als nächste anstehen und welche Fragen sich mir aktuell stellen.
Anschließend ging es dann darum, meine eigenen, für mich noch zum Teil wirren Gedanken den anderen Kolloquiumsteilnehmern zu präsentieren und mit ihnen zu diskutieren. Ich habe von Zeit zu Zeit immer noch kleinere Schwierigkeiten, damit umzugehen, dass mein Vorgehen von dem „klassischen“ Vorgehen bei einer Dissertation abweicht. Dadurch, dass meine Arbeit sehr eng mit dem EU-Projekt zusammenhängt, liegen mir bereits zum jetzigen Zeitpunkt, nachdem ich mich ein Jahr mit meiner Dissertation beschäftige, bereits fast alle Daten für die Empirie vor. Mit meiner Literaturarbeit bin ich hingegen noch lange nicht fertig. Dadurch bekomme ich manchmal den Eindruck, ich würde zu langsam vorankommen und genau das verunsichert mich von Zeit zu Zeit noch etwas. Erfreulich war für mich zu sehen, dass andere das wohl nicht als Problem sehen. Hier muss wohl einfach geduldiger mit mir selbst werden, wie Gabi mir auch schon das ein oder andere Mal gesagt hat.
Diesen Tipp nehme ich mir zu Herzen und werde daher in nächster Zeit vor allem lesen und mein theoretisches Grundgerüst ausbauen. Interessant war für mich dabei die Frage, wie man denn feststellt, ob man schon genug gelesen hat. Diese Frage stelle ich mir nicht als einzige, diese Frage schien letzte Woche im Kolloquium auch für andere interessant zu sein. Ein Musterrezept gibt es hier, denn jeder muss für sich den richtigen Endpunkt finden. Geeignet erschien mir der Hinweis, man hätte dann genug gelesen, wenn man mit dem Wissen, das man durch die Lektüre aufgebaut hat, problemlos an einer Fachdiskussion teilnehmen, seinen Standpunkt verteidigen und vertieft diskutieren kann. Jedoch merkt man erst beim Schreiben, dass man noch Lücken hat und etwas neu oder vielleicht auch nochmal lesen muss, weil sich neue Fragen ergeben haben. Ich freue mich jetzt aber erstmal darauf, mich auf die Literatur konzentrieren zu können, ohne Zeitdruck.
Eine weitere Frage von mir bezog sich auf die Gliederung der Arbeit, da ich mich im Moment noch schwer tue, die verschiedenen theoretischen Aspekte, die einen Bezug zu meinem Thema haben, sinnvoll miteinander zu verbinden. Mein Gefühl ist aber, dass sich die Gliederung durch die Beschäftigung mit der Literatur und meinen Überlegungen dazu noch ergeben wird. Aus der Sitzung nehme ich mit, dass man nicht versuchen sollte, seine Arbeit schon zu früh zu untergliedern. Wichtiger ist, sich zunächst ein Argumentationsgerüst aufzubauen und dann nach und nach seinen Argumentationsgang um das Gerüst herum zu erarbeiten, um zu einer nachvollziehbaren Argumentationsstruktur zu gelangen und nicht einfach nur Informationen aneinanderzureihen. Hier bin ich wohl ebenfalls etwas voreilig. Vielleicht kommt es auch daher, dass ich es von meinen beiden Abschlussarbeiten gewohnt war, recht früh eine erste Untergliederung zu haben. Eine Dissertation ist aber etwas anderes und da braucht es auch ein anderes Vorgehen.
Schön fand ich es, dass meine Forschungsfragen für die anderen soweit nachvollziehbar waren. Mir ist aber nochmal deutlich geworden, dass ich noch mehr auf eine klare Verwendung von Begriffen achten und die Forschungsfragen auch mehr voneinander abgrenzen muss. Statt in Frage zwei nur von Wirkungen der Implementierung und in Frage drei von Veränderungen durch die Implementierung zu sprechen, ist es sinnvoller, von personellen Wirkungen und organisationalen Veränderungen zu sprechen. Dann wird deutlich, wie sich die beiden Fragen unterscheiden und auf wen bzw. was sie sich beziehen.
Mit einer Fallanalyse kann man nicht immer alles beantworten. Das zeigt sich aber erst im Prozess. Oftmals kommen jedoch Aspekte hinzu, die man vorher nicht bedacht hatte. Daher lasse ich meine Forschungsfragen im Moment so, wie sie sind. Nach der Literaturarbeit und bei der Analyse der Daten werde ich sie dann bei Bedarf nochmals anpassen bzw. um Unterfragen erweitern. Die Frage nach der Implementierung enthält mehrere Ebenen, hier geht es zum einen darum, wie leicht es möglich war, die internetgestützte Videoreflexion in der Fahrlehrerausbildung zu implementieren. Zum anderen interessiert hierbei, wie genau das Konzept an den unterschiedlichen Einrichtungen umgesetzt werden konnte. Zum Schluss stellt sich die Frage, wie die internetgestützte Videoreflexion nach Auslaufen des Projektes weitergenutzt wird. Hier erscheint ein Interview mit dem Vorsitzenden der EFA nach einem halben Jahr sinnvoll. Auch Interviews mit weiteren Experten kommen in Frage, um die Erkenntnisse der Datenanalyse einschätzen zu lassen.
Einen Teil meiner Daten habe ich bereits deskriptiv für den Evaluationsbericht zum EU-Projekt ausgewertet. Etwas unklar war mir jetzt, wie ich weiter mit meinen Daten vorgehe, ob ich in einem nächsten Schritt die restlichen Daten auch zunächst der gleichen deskriptiven Auswertung unterzeihe und danach erst einzelne Aspekte vereinzelt betrachte oder ob ich die erste Auswertung nur als Ausgangspunkt für eine weitere Betrachtung aller Daten nehme. Aus der Diskussion im Kolloquium nehme ich mir, dass ich alle meine Daten bei der Auswertung für meine Diss wieder als Rohdaten betrachten sollte, unabhängig davon, dass ich einen Teil von ihnen für den Evaluationsbericht bereits deskriptiv ausgewertet habe. Nach der Literaturarbeit und mit etwas zeitlichem Abstand kann ich so mit einem neuen Blick auf die Daten schauen und andere Aspekte vertiefen. Die erste Datenauswertung für den EU-Evaluationsbericht wird mir aber auch dazu dienen, zu entscheiden, welche Aspekte ich theoretisch vertieft betrachten möchte.
Zuletzt hat mir noch der an sich positive Aspekt, dass im Projektverlauf aus dem Ausgangskonzept drei neue Szenarien für den Einsatz der internetgestützten Videoreflexion in der Fahrlehrerausbildung entstanden sind (siehe letzter Blogbeitrag), etwas Sorgen bereitet. Ich war mir einfach unsicher, ob das nicht ein Problem sein würde, wenn ich die personellen Wirkungen und organisationalen Veränderung durch die Implementierung beschreibe, da ich aus den Interviewdaten nicht differenzieren kann, auf welches Einsatzszenario sich die Befragten beziehen. Denn in fast allen Fällen haben die Befragten zwei Einsatzszenarien erlebt, auf die sie sich in den Interviews beziehen. Allerdings konnte diese Sorge zerstreut werden. Der Fokus meiner Arbeit liegt schließlich auf der internetgestützten Videoreflexion in der Berufsbildung und nicht auf einem bestimmten Setting. Hinzu kommt, dass die Einsatzszenarien einen wichtigen Entwicklungsaspekt der Implementierung darstellen und somit ein wichtiges Ergebnis sind.
Alles in allem hat mir das Doktorandenkolloquium geholfen, einige Aspekte nochmals deutlicher zu ordnen und mir über manche Dinge klar zu werden. Neben Literaturarbeit muss ich in den nächsten Wochen noch einige letzte Interviews führen, solange mir die Personen dafür noch zur Verfügung stehen. Und sobald ganz sicher ist, wie es bei mir ab Juli weitergeht, werde ich mich auch an einen Arbeitsplan machen, wie ich die nächsten Phasen meines Dissertationsvorhabens gestalten will. Denn ich habe für mich persönlich den Eindruck, dass ich Meilensteine definieren muss, um mehr Struktur in mein Vorgehen zu bringen. Manche brauchen das vielleicht nicht unbedingt, aber ich bin halt jemand, der Dinge gerne ordnet und plant.
In meinem letzten Beitrag hatte ich bereits erwähnt, dass sich unser EU-Projekt “Driver Instructor Education 2.0″ dem Ende neigt. Nun ist das Projekt ganz offiziell abgeschlossen. Den letzten großen Meilenstein im Projekt, die Erstellung des finanziellen und inhaltlichen Endberichts, haben wir letzte Woche finalisiert. Alle Unterlagen wurden in dreifacher Ausfertigung, verteilt auf sechs Ordner und drei große Pakete mit einem Gesamtgewicht von 15 kg (siehe Bild) an die NA beim BIBB verschickt. Dort wird der Endbericht nun geprüft und bewertet. Das Ergebnis werden wir dann, denke ich, in ein paar Monaten erfahren.
Nachdem ich mich nun fast 20 Monate lang mit dem Projekt beschäftigt habe, ist es schon etwas seltsam, dass es jetzt vorbei ist. Es war für mich eine spannende, nicht immer einfache Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe und mich inhaltlich, fachlich und persönlich weiterentwickeln konnte. Mit Projektmanagement hatte ich davor nicht viel zu tun, mit Partnern aus unterschiedlichen Ländern erst recht nicht. Und Fahrlehrer kannte ich zuvor nur aus meiner eigenen Fahrschulzeit, an die ich gemischte Erinnerungen hatte. Aber die Idee, digitale Medien mal nicht nur für das Lernen und Lehren an Hochschule oder Schule einzusetzen, sondern in einem sehr speziellen Bereich der Berufsbildung hat mich gereizt. Nach und nach habe ich mich in die Thematik eingearbeitet und mich in meiner Rolle als Projektkoordinatorin eingefunden. Sehr hilfreich war für mich dabei die Zusammenarbeit mit unserem Projektleiter Frank. Nach dem Vier-Augen-Prinzip haben wir wichtige Aufgaben gemeinsam besprochen und uns gegenseitig unterstützt. Lieber Frank, danke an dieser Stelle nochmal für die super Zusammenarbeit und deine Geduld bei meinen kritischen Nachfragen.
Neben der Projektkoordination war die wissenschaftliche Begleitung meine zweite Aufgabe. Hier ging es darum, bei der Konzepterstellung für den Einsatz der internetgestützten Videoreflexion zu helfen und die Implementation wissenschaftlich zu begleiten. Passende Erhebungsinstrumente mussten erarbeitet, Interviews geführt und andere Daten erhoben werden. Die Ergebnisse der wissenschaftlichen Begleitung kann man inzwischen in unserem Evaluationsbericht nachlesen.
Sehr erfreulich fand ich es im Projektverlauf zu sehen, wie unsere Praxispartner aus Belgien, Deutschland, Österreich und Italien das gemeinsam erarbeitete Konzept umgesetzt und weiterentwickelt haben. Denn neben dem ursprünglichen Plan, die internetgestützte Videoreflexion in der Praxisphase der Fahrlehrerausbildung einzusetzen, um die Lehrkompetenz angehender Fahrlehrer zu fördern, haben unsere Partner drei weitere Einsatzszenarien entwickelt. So wird die internetgestützte Videoreflexion inzwischen auch in der ersten Ausbildungsphase eingesetzt: zum einen im fahrpraktischen Unterricht, zur Verbesserung der eigenen Fahrfähigkeiten, und zum anderen im Theorieunterricht bei ersten kleineren Lehrproben vor der Gruppe. Außerdem ist ein Blended Learning-Konzept für die firmeninterne Weiterbildung entstanden, das bereits in Österreich, Deutschland und Belgien erfolgreich getestet wurde.
Nun heißt es, das Projekt auch in weiteren Ausbildungsfahrschulen und Fahrlehrerausbildungsstätten in der Partnerländern, aber auch darüber hinaus bekannt zu machen. Hierbei ist vor allem unser Partner die Europäische Fahrlehrer Assoziation e.V. sehr wichtig. Um die Verbreitung des edubreak®-DrivingCampus voranzutreiben, haben wir gegen Ende des projektes Projektbroschüren in deutscher, englischer, französischen, spanischer und polnischer Sprache erstellt. Diese wurden und werden nun von uns wie auch von der EFA leissig verteilt. Auf jeden Fall bin ich schon sehr gespannt, wie sich das weiterhin entwickeln wird.
    
Das Schreiben des Endberichts war für mich noch einmal eine gute Gelegenheit, zu sehen, was im Projekt so alles passiert ist. Von der Beschreibung aller Ergebnisse, über die Transferstrategie bis hin zu den ganzen Disseminationaktivitäten ist wirklich jede Menge gelaufen. Ich bin sehr viel rumgekommen, habe sehr viele interessante Menschen kennen gelernt und mich mit ihnen ausgetauscht, habe endlich wieder mit dem Auto fahren angefangen (kein Wunder, bei so vielen Fahrlehrern als Partnern ), durfte die ein oder andere Tagung besuchen und dort unser Projekt und seine Ergebnisse vorstellen. Eine große Herausforderung war dabei für mich der englischsprachige Vortrag auf der ONLINE EDUCA in Berlin. Aber ich bin froh, mich dieser Herausforderung gestellt zu haben. Etwas schade finde ich es ja schon, dass das Projekt nun vorbei ist. Aber durch mein Dissertationsvorhaben begleitet mich das Thema der internetgestützten Videoreflexion in der Fahrlehrerausbildung noch eine ganze Weile. Und ein neues Projekt wartet hoffentlich schon. Aber dazu ein anderes mal mehr.
Jetzt ist es fast 18 Monate her, dass unser EU-Projekt “Driver Instructor Education 2.0” angefangen hat. Somit ist es auch fast schon wieder vorbei. Grund genug also, einen dritten und letzten Workshop mit unseren Partnern aus Belgien, Österreich und Deutschland zu veranstalten. Diesmal haben wir uns nicht nur entschieden, den Workhop in Österreich und nicht wie die beiden vorhergehenden an der Uni zu veranstalten, sondern wir haben das Ganze mit einem Eventtag verbunden. Veranstaltungsort war diesmal die Fahrwelt Kern. Zusammen mit unseren Partnern haben wir (Frank, Jojo, Stefan, Silvia und ich) dort am 23. Februar ein Fahrsicherheitstraining absolviert. Zum Programm gehörte unter anderem Slalomfahren, Vollbremsung auf nasser, rutschiger Fahrbahn, Ausweichen vor plötzlichen Hindernissen (siehe Bild) sowie eine Schleuderfahrt. Dinge also, die man beim alltäglichen Autofahren nicht unbedingt tun, aber in der Notsituation beherrschen sollte. Nun fahre ich selbst erst seit ca. einem halben Jahr Auto, denn nach dem Führerschein bin ich gute sieben Jahre erstmal nicht mehr gefahren. Umso gespannter war ich auf unseren Tag und als ich dann das Gelände der Fahrwelt Kern sah, auch leicht aufgeregt (ich war ja auch noch von lauter Fahrlehrern umgeben ). Unser eigenes Auto hatte ich wegen gemeinsamer Anreise nicht dabei, durfte aber das Auto eines Partners fahren (Danke nochmal!). Es hat auf jeden Fall großen Spaß gemacht und einige Dinge sind mir wieder in Erinnerung gerufen worden. Trotzdem hoffe ich, dass ich diese Dinge im Straßenverkehr nicht brauchen werde.
Nach dieser intensiven Einstimmung auf das Thema Fahren haben wir am 24. Februar unseren Abschlussworkshop abgehalten. Diesmal ging es zum einen darum, zusammen auf das Projekt zurückzublicken und über die Entwicklungen und wissenschaftlichen Evaluationsergebnisse zu sprechen. Auf der anderen Seite haben wir gemeinsam an einer Nachhaltigkeitsstrategie gearbeitet und darüber gesprochen, wie wir das Thema “internetbasierte Videoreflexion in der Fahrlerherausbildung” weiterverfolgen möchten. Wie Frank in seinem Blog schreibt, gibt es hier verschiedene Perspektiven, von technologischen über didaktische sowie organisational-kulturelle bis hin zu politischen Weiterentwicklungen, Innovationen und Bestrebungen. In den nächsten Wochen wird es für mich vor allem darum gehen, den wissenschaftlichen Evaluationsbericht abzuschließen, unser Projekt auf der red conference und dem 5. Fit to Drive-Kongress vorzustellen und den EU-Endbericht zu schreiben. Und ein paar weitere Daten für meine Diss möchte ich auch noch sammeln.
Über eine Woche ist die vierte w.e.b.Square-Tagung jetzt her und letzte Woche hatten wir auch unsere Abschlusssitzung im Seminar. Jetzt wird es also auch mal Zeit, meine Gedanken dazu festzuhalten. Unsere 4. w.e.b.Square-Tagung unter dem Motto “Bologna 2011. Eine kritische Bilanz aus Studierendensicht” war aus meiner Sicht sehr gelungen. Zugegeben, live waren nicht so viele Besucher wie im letzten Jahr anwesend, aber über den Live-Stream, der auch diesmal wieder dank der AV-Mediendienste funktioniert hat, konnten einige Interessierte auch online zusehen. Gelungen fand ich die Tagung vor allem, weil sich unsere Studierenden wirklich viel Mühe mit ihren Vorträgen gegeben hatten (es gab ein Rollenspiel, Vorstellung eigener Studienergebnisse, selbstgedrehte Kurzfilme etc.) und das Zuhören sehr viel Spaß gemacht hat. Und trotz der wenigen Zuschauen im Hörsaal wurde doch sehr lebhaft über das Thema diskutiert. Spannend waren natürlich auch die live zugeschalteten Beiträge aus Mainz. Bis zum Schluss konnte ich mir nicht recht vorstellen, wie das so funktionieren würde. Das lag unter anderem daran, dass wir in einem Informatikhörsaal (!) keinen LAN-Anschluss hatten und die Mainzer deswegen über ein schwaches WLAN zuschalten mussten. Aber es hat alles gut geklappt und die beiden Studierendengruppen aus Mainz haben uns ihre Web 2.0-Konzepte für die medienpädagogische Praxis vorgestellt. Auch wenn unsere Rückfragen per Live-Stream nur mit zehn Sekunden Verzögerung übermittelt wurden, konnten am Schluss alle interessierten Nachfragen geklärt werden.
Am Ende der Tagung stand dann noch ein kleines Highlight an, denn es sollte noch der beste Vortrag gekürt werden, Die Entscheidung fiel allen sichtlich schwer, denn alle Vorträge waren spannend gewesen. Gewonnen hat schließlich der Vortrag von Kathrin und Martin zum Thema “Das Glücksprinzip: Wissensteilung als universale Lösung?“. Die Ideen, die die beiden zur Wissensteilung unter Studierenden vorgestellt haben, finde ich persönlich interessant und bin mal gespannt, ob es vielleicht mal möglich sein wird, sie alle umzusetzen. Wer sich für das Thema unserer Tagung interessiert und genauer erfahren möchten, um was es im Einzelnen ging, den verweise ich gerne auf das Tagungsband zur Tagung. Dieser enthält die Artikel zu allen sieben Vorträgen. Und auch die Videos der einzelnen Vorträge sollten demnächst im Medienarchiv auf der w.e.b.Square-Homepage zu finden sein.
Auch wenn die Tagung immer das Highlight des w.e.b.Square-Seminars bildet, finde ich persönlich auch die letzte Seminarsitzung sehr interessant. Hier geht es immer darum, mit den Studierenden gemeinsam noch einmal auf das Seminar zurückzublicken und darüber zu sprechen, was ihnen gut oder weniger gut gefallen hat, was ihnen leicht gefallen ist oder wo sie vielleicht Schwierigkeiten hatten, wie sie die Tagung erlebt haben etc. Das, worüber in dieser Sitzung gesprochen wird, ist eine wichtige Rückmeldung an uns als Dozentinnen. Und in den vergangenen Jahren hat das Feedback der Studis dazu geführt, dass wir immer ma wieder Kleinigkeiten am Seminar angepasst haben. Zudem ist es natürlich immer sehr schön zu hören, wenn die Studierenden berichten, was sie aus dem Seminar für sich mitnehmen. Sandra schreibt in ihrem Blog, wie beeindruckend es ist, die fachliche wie auch persönliche Entwicklung der Studierenden im Verlauf eines Seminars mitzuerleben. Und da kann ich ihr nur zustimmen.Und auch unser Experiment der Zusammenarbeit mit den Mainzer Studierenden von Kerstin kam bei unseren Studierenden positiv an, was mich natürlich freut. Denn auch für uns als Dozentinnen war diese Form der Zusammenarbeit in einem Seminar noch neu.
Persönlich fand ich es interessant, dass einige Studierende gesagt haben, dass sie jetzt aufgrund ihrer Auseinandersetzung mit der Bologn-Reform im Seminar ganz anders auf das thema schauen würden. Bislang war ihr Bild wohl sehr stark von den Studentenprotesten des vergangenen Jahres geprägt, die ja eher ein negatives Licht auf Bologna werfen. Die Themen, mit denen wir uns auf der Tagung beschäftigt haben, hätte ihnen aber auch gezeigt, dass Bologna nicht nur negative Seiten hat und dass man es sich zu einfach macht, Bologna die Schuld an allen universitären Missständen zu geben. Ich finde, auch das ist eine spannende Erkenntnis. Wie unsere Studierenden unser Seminar und vor allem die Tagung sonst so sehen, kann man in ihren Blogbeiträgen auf w.e.b.Square lesen.
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