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Fast genau drei Jahre ist es jetzt her, dass ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Professur für Lehren und Lernen an der Universität der Bundeswehr München angefangen habe. Und nach drei Jahren geht diese Zeit für mich nun zu Ende. Seit Januar 2013 arbeite ich mit einer halben Stelle beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) in Frankfurt als Referentin im SALTO-Projekt und habe mit der restlichen halben Stelle weiterhin an der UniBwM gearbeitet. Vorrangig ging es für mich darum, den Abschlussbericht zum ViFa-Projekt zu erstellen (siehe Foto). Dieser liegt inzwischen zur Prüfung beim Projektträger beim DLR und somit ist das Projekt nun auch formal abgeschlossen. Seit gestern steht zudem unser abschließender Kurzbericht mit den zentralen Projektergebnissen online zum Download zur Verfügung. Wen es interessiert, was wir in den letzten eineinhalb Jahren bei ViFa gemacht haben, kann es dort nachlesen. Danke nochmal an alle Projektbeteiligten für die Zusammenarbeit im Projekt und das Engagement!
Drei Jahre an der UniBwM waren auch drei Jahre Projekte im Bereich der Fahrlehrerausbildung. Ich habe Einblick in einen mir bislang unbekannten Bereich der beruflichen Bildung erhalten und mein Dissertations-Thema gefunden. Und ich durfte zwei spannende und herausfordernde Projekte betreuen. Mit ViFa konnte ich nun ein Drittmittel-Projekt von der ersten Idee, über den Antrag und die praktische Umsetzung bis hin zum Abschluss begleiten, mit allen Höhen und Tiefen. Hier habe ich sehr viel dazugelernt und bin froh, dieses Wissen nun in das SALTO-Projekt beim DOSB einbringen zu können.
Aber auch, wenn ich nun keine Projekte bei den Fahrlehrern mehr betreue und mich nun im Bereich der Trainer-Aus- und Weiterbildung bewege, bleibt mir das Thema Fahrlehrerausbildung mit der Dissertation weiterhin erhalten. Und das ist letztendlich auch der Grund dafür, warum ich meine halbe Stelle an der UniBwM zum 30.04. aufgebe. Nach drei Jahren Vollzeitstelle möchte ich mich jetzt verstärkt auf meine Dissertation konzentrieren. Dafür werde ich jetzt die Zeit neben meiner halben Stelle beim DOSB nutzen, um dann hoffentlich im nächsten Jahr das Projekt Promotion komplett abschließen zu können.
Wehmut ist mit meinem Weggang von der UniBwM aber natürlich verbunden, auch wenn ich mich auf die Zeit für die Diss freue. Wir haben bei LLM ein tolles Team, das mir fehlen wird. Es waren drei sehr schöne Jahre, an die ich mich gerne erinnern werde. Zum Glück ist die Professur aber ein Teilprojektpartner bei SALTO und wir werden dadurch auch weiterhin viel Kontakt haben. Und im Doktorandenkolloquium sehe ich auch alle regelmäßig wieder. Es wird mir aber sicherlich fehlen, die arme Silvi im Büro mit meinem Gesang zu erfreuen und mittags mit den Kollegen in der Sonne zu sitzen. Zum Glück wohne ich aber um die Ecke und kann bei zu großer Sehnsucht auf einen Kaffee vorbeikommen.
Ich freue mich aber darauf, mit einem ebenfalls tollen Team beim DOSB am SALTO-Projekt zu arbeiten. Ich bin schon sehr gespannt, wie sich das Projekt weiter entwickeln wird und welche Ergebnisse wir erzielen werden. Aber ich werde bestimmt darüber berichten.
Seit Januar 2013 arbeite ich mit einer halben Stelle als Projektreferentin beim SALTO-Projekt im Deutschen Olympischen SportBund (DOSB). SALTO verfolgt das Ziel, SALTO, die Qualität im Qualifizierungssystem des organisierten Sports in Deutschland mit einem strategisch angelegten Einsatz digitaler Medien in der Aus-, Fort- und Weiterbildung zu verbessern. Dazu soll ein Bildungspoirtal aufgebaut werden, indem sich später Informationen rund um Einsatz digitaler Medien in der Qualifizierungsarbeit des Sport, aber auch fertiger Fachcontent findet, nur um mal kurz zu erläutern, was wir vorhaben. Genauere Infos zum Projekt und den sechs Teilprojekten finden sich auf der SALTO-Website. Das Projekt ist bereits im Juli 2012 gestartet, aufgrund meines vorhergehenden Projektes konnte ich selbst aber erst im Januar 2013 einsteigen. Und auch wenn der DOSB in Frankfurt sitzt, ich aber in München wohne, wollte ich sehr gerne bei SALTO mitarbeiten, weil ich das Projekt unglaublich spannend finde.
Ich komme aus dem mediendidaktischen Bereich an der Uni, das Verbandswesen im Sport kannte ich bislang nur ganz rudimentär. Seit ich bei SALTO mitarbeite, lerne ich daher ständig neue spannende Dinge. Umso gespannter war ich auf das Fachforum Bildung des DOSB, das jedes Jahr vom Ressort Bildung veranstaltet wird und zu dem Bildungsverantwortliche der Sportverbände von unserer DOSB-Vizepräsidentin für Bildung und Olympische Erziehung, Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, eingeladen werden. Dieses Jahr stand das Fachforum unter dem Motto „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“, ganz im Sinne des SALTO-Projektes. Und damit nicht nur über Potenziale und Grenzen digitaler Medien diskutiert wird, sondern diese von den Teilnehmern auch tatsächlich genutzt werden, wurde das Fachforum zum ersten Mal (so habe ich es mir sagen lassen) als Blended Conference durchgeführt. Was heißt das konkret?
Nun, um die Teilnehmer des Fachforums, ca. 100 an der Zahl, auf die Veranstaltung einzustimmen, startete rund zwei Wochen vor der Veranstaltung eine virtuelle Vor-Phase. Im edubreak-Portal der Ghostthinker wurde ein eigener Bereich für das Fachforum eingerichtet, zudem alle Teilnehmer einen Zugang bekamen. Und dort gab es vor der Tagung bereits kurze Ankündigungsvideos der Hauptredner zu sehen und ein paar kleine Aufgaben zu bearbeiten. Zunächst war ich etwas skeptisch, wie gut die Teilnehmer des Fachforums diese virtuelle Vor-Phase annehmen würden, wurde aber sehr positiv überrascht. Das edubreak-Portal wurde rege genutzt. Die Nutzer stellten sich kurz vor und kommentierten fleißig die Videos. So habe ich bereits vor der Veranstaltung einen Einblick erhalten, wer so alles vor Ort dabei sein wird, wie die Vorerfahrungen mit dem Thema digitale Medien sind und welche Fragen sich den Bildungsverantwortlichen bei diesem Thema stellen.
Vergangenen Freitag und Samstag, 8. und 9. März, fand dann das Fachforum Bildung in Frankfurt am Main statt. Doch nicht nur die virtuelle Vor-Phase war mit digitalen Medien angereichert, sondern auch die eigentliche Veranstaltung vor Ort. So befindet sich einer unserer Hauptrednern, Prof. Dr. Andreas Hebbel Seeger, Professor für Medienmanagement an der MHMK Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation Hamburg, aktuell in Schweden und konnte daher nicht nach Frankfurt kommen. Nichtsdestotrotz wollten wir auf seinen Impulsvortrag zum Thema „Sport mit ‚e‘ – wie digitale Medien Kommunikation, Lehre und Training im Sport verändern“ nicht verzichten. Also wurde sein Vortrag live nach Frankfurt gestreamt und es hat wirklich gut funktioniert. Während des Vortrags konnten die Anwesenden in Frankfurt zudem über ihre Smartphones mit dem Referent interagieren und ihm Feedback auf seine Fragen geben. In seinem Impulsvortrag hat Andreas Hebbel-Seeger viele interessante Möglichkeiten für den Einsatz von Medien im Sport vorgestellt, von verschiedensten Apps fürs Handy über Lernsimulationen etc. Er verwies aber auch darauf, dass man nicht alle Möglichkeiten nutzen muss, nur weil es sie gibt. Sondern dass man sich bewusst für den Einsatz bestimmter digitaler Medien entscheiden sollte.
Nach dem virtuellen Betrag aus Schweden begann das Programm vor Ort. Im Basar der Lernorte konnte man sich zunächst einen Überblick verschaffen, wie andere Institutionen (Kirche, Schule, Universität, Fahrlehrerausbildungsstätte, Unternehmen) digitale Medien für Lehren und Lernen nutzen. Anschließend wurden das SALTO-Projekt vorgestellt und danach in Arbeitsgruppen die einzelnen SALTO-Teilprojekte mit den anwesenden Bildungsreferenten diskutiert. Hintergrund ist, dass die Bildungsverantwortlichen der Sportverbände unsere Kernzielgruppe für das DOSB-Bildungsportal bilden (neben Trainern, Übungsleitern, Vereinsmanagern und auch Jugendleitern. Damit das Bildungsportal später auch wirklich die Bedürfnisse seiner Nutzer erfüllt, wollen wir die Bildungsreferenten von Anfang an in den Entwicklungsprozess einbinden und ihre Anforderungen einfangen. Das Fachforum Bildung bot eine erste gute Gelegenheit, miteinander ins Gespräch zu kommen und abzuklären, inwiefern unsere bisherigen Überlegungen im SALTO-Projekt wirklich den Bedürfnissen der Zielgruppe entsprechen. Für mich als DOSB-Neuling war es sehr spannend, zu hören, inwiefern unsere Ideen in die richtige Richtung gehen, wo noch Anpassungen nötig sind und was wir vielleicht noch gar nicht bedacht haben. Auf jeden Fall habe ich viele interessante Eindrücke mitgenommen, die in unsere Anforderungsanalyse für das Bildungsportal einfließen werden.
Zum Abschluss des Abends hat Dr. Jochen Robes einen Impulsvortrag zum Thema MOOCs gehalten und uns anhand des Beispiels opco11 erläutert, was MOOCs sind, welche Möglichkeiten sie bieten und worauf man achten sollte, wenn man selbst so etwas anbieten will. Ich denke, das war ein spannendes Beispiel, in welcher Form man digitale Medien noch für Lehren und Lernen einsetzen kann.
Der zweite Tag der Veranstaltung widmete sich dann nicht mehr so stark SALTO und den digitalen Medien, sondern der Bildungsarbeit in den Sportverbänden allgemein. Nach einem Vortrag von Prof. Dr. Gudrun Doll-Tepper, einem Bericht aus dem Ressort Bildung und einem Vortrag von Dr. Ulrich Iberer von der PH Ludwigsburg zur Bildungsberichterstattung wurden verschiedene Themen, die die Teilnehmer selbst einreichen konnten, in Form von Thementischen diskutiert.
Mit den beiden Präsenztagen in Frankfurt ist das Fachforum aber noch nicht abgeschlossen. Denn analog zur Vor-Phase wird es auch eine virtuelle Reflexionsphase im edubreak-Portal geben. Hier werden zum einen Videos der Vorträge und der anderen Formate bereitgestellt. Darüber hinaus können die Teilnehmer Diskussionen, die vor Ort nicht zu Ende geführt werden konnten, hier weiterführen. Geplant ist darüber hinaus, die Eindrücke der Teilnehmer zur Veranstaltung hier einzufangen und ihnen nochmal die Gelegenheit zu geben, sich untereinander virtuell auszutauschen. Ich bin schon sehr gespannt, wie diese Phase laufen wird.
Für mich war das Fachforum Bildung eine sehr spannende Veranstaltung. Zum einen war es meine erste Blended Conference und ich finde, es hat gut funktioniert. Natürlich haben wir im Nachhinein noch einige Ideen gehabt, was man hätte anders machen können. Aber man lernt ja zum Glück immer dazu und beim nächsten Mal kann man manches etwas anders gestalten. Das Fachforum Bildung war für mich aber vor allem interessant, weil es mir einen tieferen Einblick in die Bildungsarbeit unserer Sportverbände ermöglicht hat. Als Quereinsteiger beim DOSB bin ich aktuell dabei, ein Gefühl für die Bedürfnisse der Sportverbände zu entwickeln. Denn nur, wenn man diese kennt, kann man aus meiner Sicht ein gutes mediendidaktisches Konzept für unser Bildungsportal entwickeln. Auf dem Fachforum konnte ich mich mit vielen Personen unterhalten, sei es in unseren AGs oder auch in den Pausen, bei der Stadtführung, beim Abendessen… Ich habe daraus sehr viele Eindrücke und Ideen mit nach Hause genommen, die jetzt erstmal verarbeitet werden wollen. Das sehe ich aber absolut positiv. Genau diese Eindrücke brauche ich, um ein Gespür zu bekommen, in welche Richtung wir weiterdenken sollen.
Letzte Woche habe ich einen kurzen Beitrag im Radio gehört, der mich etwas nachdenklich gemacht hat. Darin berichtete der Moderator von einer Situation, die wahrscheinlich die meisten von uns kennen: Man steht im Supermarkt an der Kasse und die ältere Dame vor einem meint beim Bezahlen “Warten Sie, die 98 Cent habe ich Ihnen bestimmt auch klein” und fängt an, in ihrem Geldbeutel zu kramen. Und während sie sucht, müssen alle hinter ihr warten. Was mich an dem Beitrag nachdenklich gemacht hat, war aber nicht die Geschichte an sich, sondern die Reaktion des Moderators, der erzählte, wie sehr ihn solche Situationen nerven, weil sie Zeit rauben. Und auch ich habe mich in solchen Situationen sicherlich schon geärgert. Aber warum ist das so? Warum sind viele von uns derart ungeduldig?
Das frage ich mich auch häufiger, wenn ich mit dem Auto unterwegs bin. Auf der Straße trifft man meiner Meinung nach ganz besonders häufig auf andere, die es unglaublich eilig zu haben scheinen. Bei uns in der Siedlung gibt es eine fiese Kreuzung, an der das Abbiegen in die Hauptstraße schonmal etwas länger dauern kann, wenn einen nicht gerade zufällig jemand reinlässt. Ich gehöre zu denjenigen, die nicht die kleinste Lücke zum Abbiegen ausnutzen, weil mir meine Gesundheit wichtiger ist als ein, zwei Minuten Warten. Das sehen aber manche Leute anders, die sofort zu hupen beginnen, wenn man nicht die kleinste Lücke gleich zum Abbiegen ausnutzt. Oder die Raser auf Landstraßen, die Drängen und einen bei der erstbesten Gelegenheit (am besten in der Kurve) überholen, nur damit man sie im nächsten Ort an der Ampel eh wieder einholt. Ich frage mich in solchen Situationen immer, ob sich diese Eile und dieser Stress, den man mit solchem Verhalten auch bei anderen Verkehrsteilnehmern auslöst, wirklich lohnen, nur um wenige Minuten früher am Ziel anzukommen.
Zeit ist heutzutage ein wertvolles Gut, das ist mir klar. Man will immer mehr in immer kürzerer Zeit erreichen. Und die Leistungsgesellschaft erwartet von uns, dass wir immer mehr in immer kürzerer Zeit leisten. Die Arbeitszeit wird genau durchgeplant und die Freizeit, wenn denn eine bleibt, ebenfalls. Zum Innehalten bleibt da kaum noch. Man hat keine Geduld mit sich selbst und auch nicht mit anderen, die das eigene Fortkommen (an der Kasse, im Verkehr, sonstwo) aufhalten. Die Zeit, die man hat, will man schließlich möglichst effizient nutzen und nicht “verschwenden”.
Diese Ungeduld und diesen Anspruch an sich selbst beobachte ich nicht nur bei anderen, sondern auch bei mir selbst. Ich nehme mich da nicht raus. Gerade im Kreise meiner Mitdoktoranden haben wir schon häufiger darüber gesprochen, welche Ansrüche man so an sich stellt im Alltag. Idealerweise möchte man freie Zeit möglichst immer für die Diss nutzen, schließlich möchte man auch mal fertig werden und ein gutes Ergebnis abliefern. Und dieser Anspruch führt dann dazu, dass man immer, wenn man nicht arbeitet oder an der Diss sitzt, sondern etwas anderes macht (wie z.B.Bloggen ) ein schlechtes Gewissen hat. Man hätte die Zeit ja auch “sinnvoll” nutzen können, also für die Diss. Also wird man bei fast allem, was man macht, von einem permanent schelchten Gewissen begleitet. Wenn man am Wochenende die Familie besucht, etwas mit Freunden unternimmt oder einfach mal ein Buch liest, das nichts mit Diss und Arbeit zu tun hat. Möchte man kein schlechtes Gewissen haben, denkt man entweder gar nicht erst darüber nach (wenn man es denn kann) oder man nutzt auch seine Freizeit, um an der Diss zu arbeiten. Wer braucht denn schon Freizeit.
Gut, man mag jetzt sagen, die Promotion ist eine besondere Zeit im Leben, in der man nunmal auch Entbehrungen bringen muss. Da würde ich auch nicht widersprechen. Aber ein permanent schlechtes Gewissen halte ich doch nicht für normal. Eine Herausforderung während der Promotion besteht daher aus meiner Sicht darin, ein gesundes Maß für sich selbst zu finden, dass Arbeit, Diss sowie Freizeit und Privatleben alle nicht zu kurz kommen. Und ich denke auch, dass es alles eine Frage der Prioritätensetzung ist. Jeder muss für sich entscheiden, wie viel Zeit er für Sport, zum Entspannen, für Freunde und Familie oder Hobbies braucht. Ein Muster, dass für alle passt, gibt es hier sicher nicht.
Interessanterweise beobahte ich dieses Getriebensein aber natürlich nicht nur bei Doktoranden, sondern auch bei anderen Leuten. Die Arbeitswelt verlangt allen viel ab und manche haben gar keine andere Wahl, als jede Woche weit mehr als die üblichen 40 Stunden zu arbeiten. Dann noch Zeit für sich zu finden, ist sicherlich nicht leicht. Aber trotzdem, viellei9cht lohnt es sich ab und zu mal innezuhalten und zu überlegen, ob es sinnvoll ist, sich derart zu hetzen. Und so ungeduldig zu sien, mit sich selbst, aber auch mit anderen. Der Bogen von ungeduldigen Leuten an der Supermarktkasse oder im Verkehr zu den hohen Ansprüchen der Arbeitswelt liegt vielleich tnicht jedem so nahe. Aber vielleicht fängt man einfach bei den kleinen Dingen an, sich in Geduld zu üben und etwas Entschleunigung in seinen Alltag zu bringen.
Vergangenen Freitag, 18.01., war ich mal wieder im Doktorandenkolloquium an der Reihe, meinen Stand der Arbeit den anderen zu präsentieren. Wie immer war der Termin wieder eine gute Gelegenheit für mich, mir selbst vor Augen zu führen, was ich im vergangenen halben Jahr gemacht habe, wo ich gerade stehe und welche Schritte als nächstes anstehen. Um das zu symbolisieren, habe ich mich wieder meiner Sanddünen-Analogie bedient. Ich finde nach wie vor, dass dieses Bild gut passt, um den Weg bei einer Promotion darzustellen, zumindest für mich. Diesmal hatte ich jedoch noch ein Bild dabei, auf dem man sieht, dass ein Teil des Weges hoch auf die Sanddüne bereits hinter mir liegt. Und so ist es auch bei der Diss. Wenn ich mir mal vor Augen führe, was ich vor allem in den vergangenen zwei Jahren gemacht habe, kommt da doch einiges zusammen. Ein weiteres Bild, das ich am 18.01. im Kolloquium gezeigt habe, zeigte im Gegensatz dazu den Blick die Sanddüne hoch, auf dem auch schon der Gipfel zu sehen ist. Das steht für mich für den Weg, der noch vor mir liegt. Es ist sicherlich noch viel Arbeit, aber ich kann den Gipfel zumindest schon erahnen. Und das freut mich und motiviert natürlich, an der Sache dranzubleiben.
Meine Präsentation im Kolloquium wollte ich diesmal für zwei Dinge nutzen: Zum einen wollte ich zeigen, wo ich gerade mit meinem Theorieteil stehe und an welchen Stellen ich mir noch unsicher bin. Zum anderen wollte ich mal einen Überblick geben, welche Daten ich bereits erhoben habe, und mit den anderen über meinen letzten Teil der Datenerhebung diskutieren. Bei der Vorstellung meiner aktuellen Gliederung habe ich gesehen, dass es mir inzwischen deutlich einfacher fällt, anderen zu erklären, wie die einzelnen Theorieteile für mich zusammenhängen. Aber ich habe auch gesehen, an welchen Stellen es nach wie vor etwas hakt. Das ist gerade beim Kapitel zur Implementation der Fall, was mir ja schon früher Schwierigkeiten bereitet hat. Trotzdem habe ich das Gefühl, hier zumindest ein kleines Stück vorangekommen zu sein. Und wenn ich dann mal wirklich beim Schreiben dieses Kapitels bin, werden sich einige Fragen sicherlich schneller lösen.
Momentan hänge ich noch beim ersten Theoriekapitel, nämlich meinem Forschungskontext, der Fahrlehrerausbildung. Rund die Hälfte des Kapitels steht, den Rest würde ich gerne bis Ende März/Anfang April fertigstellen. Für dieses Kapitel musste ich noch relativ viel Literatur recherchieren, weil ich mich durch die Projektpartner zwar mit dem Kontext inzwischen gut auskenne, aber vergleichsweise wenig wissenschaftliche Literatur dazu gelesen habe. Daher zieht sich das Schreiben hier auch länger, als ich ursprünglich gedacht habe. Die Diskussion im Kolloquium hat mir auch deutlich gemacht, dass ich mir nochmal Gedanken über die Struktur dieses Kapitels machen sollte. Eventuell werde ich hier noch Änderungen vornehmen, je nachdem, wie sich die zweite Hälfte gestaltet. Vor dem Kolloquium war ich mir etwas unisicher, ob es für meine Arbeit in Ordnung ist, dem deutschen Fahrlehrerausbildungssystem mehr Raum einzuräumen als dem belgischen und dem österreichischen. Die unterschiedliche Gewichtung kommt daher, dass ich mein Hauptaugenmerk mit meinem Hauptfall auf Deutschland lege und daher auf das deutsche Ausbildungssystem vertiefter eingehe. Die beiden anderen Fälle Belgien und Österreich werden nur kurz beschrieben und mit dem deutschen System verglichen, um zu zeigen, welche Gemeinsamkeiten, aber vor allem Unterschiede es gibt. Später bei der Beschreibung des Einsatzszenarios für die internetgestützte Videoreflexion sowie auch bei der Datenauswertung spielen diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede eine wichtige Rolle. Meine Unsicherheit in Bezug auf dieses Thema wurde mir im Kolloquium dank der Rückmeldung der anderen genommen. Wichtig sei, ob und wie ich mein Vorgehen in der Diss begründe.
Meine andere Baustelle neben dem Schreiben des Theorieteils ist aktuell meine Datenerhebung. Diese ist inzwischen tatsächlich größtenteils abgeschlossen. Ein Teil der Daten stammt ja noch aus dem EU-Projekt und liegt mir schon eine Weile vor. Hier sind die vier Fälle erfasst, mit denen wir im EU-Projekt gearbeitet haben. Nach Projektende habe ich aber die webbasierte Videoarbeit einer Fahrlehrerausbildungsstätte in Deutschland weiterhin begleitet, um zu sehen, was passiert, wenn ein Projekt ausläuft und eine Organisation versucht, eine mediendidaktische Innovation weiterhin in ihren Strukturen zu verankern. Innerhalb des einen Jahres, indem ich die Videoarbeit dieser Einrichtung weiter begleitet habe, konnte ich Fahrlehreranwärter aus fünf Kursen zu ihrer Einschätzung der Videoarbeit schriftlich befragen. Mit den Ergebnissen bin ich bedingt zufrieden, weil einige der Fahrlehreranwärter die Befragung überhaupt nicht ernst genommen und einfach irgendwas angekreuzt, zahlreiche Fragen weggelassen und teilweise sinnlose Antworten gegeben haben. Diese Datensätze kann ich für meine Auswertung natürlich nicht nutzen und muss sie aussortieren. Ich denke aber, dass mir die restlichen Fragebögen gute Erkenntnisse liefern werden. Neben den Fahrlehreranwärtern habe ich auch den Geschäftsführer der Fahrlehrerausbildungsstätte, die beiden beteiligten Dozenten sowie vier weitere, nur bedingt an der Videoarbeit beteiligte Dozenten kurz vor Weihnachten interviewt. Die Gespräche waren für mich auf jeden Fall interessant. Eine Auswertung der Daten steht aber noch aus. Das gilt eigentlich für alle Daten, die ich bislang erhoben habe. Grobe Vorstellungen davon, was ich mit den Daten machen will, habe ich schon. Ein genauer Plan für die Datenanalyse fehlt aber noch. Diesen möchte ich angehen, sobald ich meine letzten Daten erhoben habe.
Was mir momentan noch fehlt, sind Interviews mit Ghostthinker als dem Entwickler und Anbieter der Software für die internetgestützte Videoreflexion. Da die Arbeit von Ghostthinker im EU-Projekt weit über die bloße Bereitstellung einer Software-Lösung hinausging, interessiert mich ihre Sichtweise auf das Projekt enorm. Im Kolloquium habe ich mit den anderen einen ersten groben Plan für einen möglichen Leitfaden diskutiert. Dabei kamen einige hilfreiche Vorschläge, wie ich den Leitfäden noch überarbeiten und anpassen könnte. Das möcht eihc in den nächsten Wochen auch tun. Mein Plan wäre, die Interviews mit Ghostthinker spätestens Anfang März führen zu können. Damit wäre das Kapitel Datenerhebung abgeschlossen und ich könnte mich dem Schreiben meines Theorieteils und der Planung meiner Datenauswertung widmen.
Lange habe ich darauf hingearbeitet: Literatur recherchiert, unzählige Bücher und Artikel gelesen, in Citavi erfasst, Zitate notiert, Zusammenfassungen geschrieben. Und nebenher noch die Erhebung meiner Daten geplant und umgesetzt. Und irgendwann kam dann der Zeitpunkt, an dem ich mir vorgenommen hatte, mit dem eigentlichen Schreiben der Diss anzufangen. An sich logisch, denn irgendwann ist es ja einfach an der Zeit, die vielen Gedanken, die man sich gemacht, das Wissen, das man sich angelesen hat, zu verbinden und endlich auch mal “zu Papier” zu bringen. Tja, und als es dann soweit war, saß ich da vor meinem Rechner und wusste erstmal nicht so recht weiter. Eine grobe Gliederung war da, ein Word-Dokument mit dem Titel “Dissertation” (relativ) schnell angelegt. Schreiben konnte ich aber immer noch nicht. Irgendwie waren zwar zahllose Gedanken und Überlegungen im Kopf, aber noch zu wirr, um sie sofort hinschreiben zu können. War ich mit meinem Zeitplan wohl – mal wieder – etwas arg ambitioniert gewesen… Es war schnell klar, dass ich zuerst noch meine Argumentationsstruktur überarbeiten und verfeinern musste, bevor ich erste Texte produzieren konnte. Damit war ich dann auch erstmal den Sommer über beschäftigt. Natürlich nicht ausschließlich, denn ich bin auch noch umgezogen, habe mich weiterhin um das ViFa-Projekt gekümmert und mir eine Woche Urlaub gegönnt.
Um meine Gliederung zu verfeinern und die Argumentationsstruktur zu schärfen, habe ich mich zunächst durch meine zahlreichen Zitate und Zusammenfassungen in Citavi durchgearbeitet und diese in feinere Unterkategorien eingeteilt. Diese verfeinerte Kategorisierung in Citavi habe ich anschließend genutzt, um die Gliederung meines Theorieteils zu überarbeiten. Aber immer noch fehlte mir irgendwie eine Argumentationsstruktur, mit der ich zufrieden gewesen wäre. Also habe ich zu dem ein oder anderen Thema noch etwas gelesen und bin dann Silvias Tip gefolgt: Zu jedem Kapitel und Unterkapitel meiner Gliederung habe ich – quasi mir selbst – erläutert, was ich dort jeweils sagen will und wie das mit den anderen Teilen der Diss zusammenhängt. Durch dieses Vorgehen habe ich sehr schnell gemerkt, wo noch Lücken in der Argumentation sind, der rote Faden verloren geht oder etwas fehlt. Dieses freie Aufschreiben meiner Gedanken und Ideen hat enorm geholfen, die Argumentationsstruktur zu schärfen und eine gute Grundlage fürs Schreiben zu erarbeiten.
Auf dieser Grundlage habe ich Ende September dann damit angefangen, das erste Kapitel zu schreiben. Und entgegen meiner Überlegung, zuerst das Kapitel zum Thema “Implementation didaktischer Innovationen” zu schreiben, habe ich doch beim ersten Kapitel, nämlich der Fahrlehrerausbildung als dem Kontext, in dem sich die Arbeit bewegt, begonnen. Wie ich bereits in meinem letzten Blogbeitrag geschrieben habe, ist Implementation das Thema, das für mich noch “am neuesten” ist. Um ins Schreiben gut reinzufinden, habe ich daher das Thema gewählt, mit dem ich mich dank meiner Projekte inzwischen ziemlich gut auskenne: der Fahrlehrerausbildung. Die ersten Seiten waren auch schnell geschrieben, bis ich gemerkt habe, dass ich zwar durch meine Projektpartner schon sehr viel weiß, aber noch gar nicht so viel zum Thema gelesen habe. Daher bin ich seitdem damit beschäftigt, zu lesen und parallel zu schreiben. Natürlich klappt das nicht immer gleich gut. Es gibt Tage, da läuft es gut, die Motivation stimmt und ich komme auch gut voran. Und dann kommen Tage, wo ich das Gefühl habe, im Sand der Düne festzustecken und kaum voranzukommen. Meistens sind das auch die Tage, an denen mir bewusst wird, wie viel Arbeit da noch vor mir liegt, bis ich die Sanddüne bezwungen habe. Das sorgt schonmal für kleinere Panikattacken, die ich inzwischen aber teilweise besser als früher im Griff habe.
Die größte Herausforderung beim Schreiben ist für mich im Moment, mir die nötige Zeit dafür zu schaffen und permanent am Ball zu bleiben. Das ViFa-Projekt befindet sich aktuell auf der Zielgeraden, da es am 31.12. endet. Entsprechend fällt natürlich auch viel Arbeit an. Dennoch möchte ich die Diss in dieser Zeit nicht ruhen lassen, denn ich fürchte, dass ich dann wieder lange brauchen würde, um ins Schreiben reinzukommen. Ich versuche, mir mehrmals die Woche Zeiträume von mehreren Stunden am Stück freizuschaufeln, die der Diss gehören. Ich bin mal gespannt, ob ich das bis Jahresende werde so durchziehen können. Ich schreibe eigentlich gerne und es macht mir auch Spaß, aber ich brauche dafür auch meine Ruhe. Denn man schreibt ja nicht nur etwas nieder, sondern man macht sich Gedanken, fügt sie zusammen, unterfüttert sie mit Theorie etc. Dafür reichen halt keine 30 Minuten am Tag, zumindest mir nicht. Denn wenn ich den ganzen Tag an Abschlussworkshops, Abschlussevaluationen und Endberichten für das Projekt gesessen bin, brauche ich erstmal eine Weile, um meine Konzentration komplett auf die Diss zu lenken. Hier suche ich noch nach einem Weg, wie ich mich gut auf eine Sache konzentrieren kann. Wer gute Tipps hat, immer her damit.
Ich bin schon sehr gespannt, wie gut ich dem Schreiben vorankommen werde und wann der Theorieteil stehen wird. Meinen Zeitplan habe ich erstmal weggelegt, da er nur stresst und so gar nicht hilft. Ein bisschen freier fühle ich mich seitdem schon.
Am 15. Juni war ich wieder im Doktorandenkolloquium mit der Vorstellung meines Stands der Dinge dran, in einer Sitzung mit Marianne und Wolf, weshalb sich alle drei Präsentation rund um das Thema Videoreflexion, nur in unterschiedlichen Bereichen (Fahrlehrerausbildung, Instrumentalausbildung und Lehrerbildung) drehten. Das Kolloquium war auch dieses Mal, wie immer, eine gute Gelegenheit, mir selbst vor Augen zu führen, wie weit ich gekommen bin und was ich im letzten halben Jahr so alles gemacht habe, und mit den anderen über verschiedene Schwierigkeiten und Fragen zu sprechen. Ich merke immer wieder, dass es wegen der Projektarbeit manchmal sehr schwer ist, meine geplanten Arbeitsschritte einzuhalten. Immer wieder passieren Dinge, die ich nicht vorhergesehen habe und die mir zwischendurch sehr viel Zeit rauben. Daher habe ich am Anfang meiner Präsentation den Promotionsprozess mit dem Besteigen einer Sanddüne verglichen und dazu das schöne Bild aus unserem letzten Urlaub in den UAE gezeigt (das Bild ist in der Wüste von Abu Dhabi entstanden, als ich mit Flo die Sanddüne bestiegen habe). Vergleiche mit einem Berggipfel habe ich schon öfter gehört, von einer Sanddüne habe ich bislang noch keinen sprechen hören. Mir erscheint die Metapher aber passend. Und das nicht, wie Markus vermutet hat, weil ich jemanden in die Wüste schicken will. Warum dann? Nun, wie auch ein Berg, ist das Besteigen einer Sanddüne mit Mühe und Anstrengung verbunden, mit dem Unterschied, dass man auf Sand läuft. Auf dem Weg nach oben gibt es Stellen, die relativ fest sind und an denen man gut vorankommt. Und auch in der Diss gibt es Phasen, wo alles gut läuft. Auf dem Weg die Sanddüne hoch gibt es aber viele Bereiche, an denen der Sand ganz weich ist und man mit jedem Schritt, den man macht, wieder mindestens einen halben nach unten rutsch. Außerdem verändert die Düne mit jedem Sandsturm ihre Oberfläche und Form, so dass man von neuem nach seinem Weg suchen muss. Es geht auch nicht immer nur bergab, sondern man muss manchmal auch wieder ein Stück herunterlaufen, bevor man weiter nach oben in Richtung Gipfel laufen kann. Und so geht auch mit der Diss. Es gibt Phasen, in denen man nur sehr langsam und mit großen Mühen vorankommt. Außerdem tauchen immer wieder neue, unerwartete Hindernisse oder Aspekte auf, die dazu führen, dass man den alten Weg nicht mehr gehen kann, sondern stattdessen nach einem neuen suchen muss.
So ist es mir auch vor allem im Mai ergangen, als ich ständig unterwegs war und für die Diss sehr wenig Zeit übriggeblieben ist. Zumindest kommt es mir so vor. Allerdings war die Zeit unterwegs natürlich auch immer wieder begleitet von Überlegungen zur Diss (ob im Flugzeug oder im Zug) und hat sicherlich dazu beigetragen, manche Gedanken ein bisschen zu ordnen. Nur habe ich in dieser Zeit mit meinem eigentlichen Vorhaben, dem Schreiben, noch nicht anfangen können. Daher habe auch ich meine Präsentation im Kolloquium mit einer Übersicht angefangen, welche der im Dezember geplanten Arbeitsschritte ich inzwischen anfangen oder vielleicht sogar fertigstellen konnte und welche eben noch nicht. Anschließend habe ich dann einzelne Punkte genauer ausgeführt. Das habe ich weniger gemacht, um mich vor den anderen zu entschuldigen oder zu rechtfertigen, warum ich manches eben doch nicht geschafft habe. Vielmehr habe ich es als eine gute Gelegenheit gesehen, auch mir selbst zu zeigen, wo ich gerade stehe und warum manches nicht so läuft wie geplant. In manchen Fällen liegt es zum Teil sicherlich daran, dass meine Planung zu ambitioniert war und ich mir gerne mehr vornehme, als eigentlich machbar ist. Ich bin einfach zu ungeduldig mit mir selbst. Aber vielleicht können ja andere aus meinem Beispiel lernen. Inzwischen habe ich einen Untertitel für meine Diss formuliert, der komplette Arbeitstitel lautet nun „Potenziale von internetgestützter Videoreflexion für die Fahrlehrerausbildung – Eine Untersuchung der Implementation einer mediendidaktischen Innovation anhand von Fallstudien“. Außerdem habe ich meine Forschungsfragen und die übergeordnete Zielsetzung der Arbeit noch einmal präzisiert und eine vorläufige Gliederung des Theorieteils erstellt. Erfreulich war für mich, dass meine Mitdoktoranden meine Argumentation soweit nachvollziehen konnten. Untertitel, Forschungsfragen und Zielsetzung passen im Moment soweit, an der vorläufigen Gliederung muss ich aber natürlich noch teilweise schleifen. Aber ich denke, das ist etwas, was sich im Schreibprozess automatisch entwickeln wird. Mir war es nur wichtig, durch die erste Gliederung eine grobe Argumentationsstruktur zu schaffen, die ich dann beim Schreiben weiter ausgestalten kann.
Meine Literaturarbeit, mit der ich vor einem Jahr noch sehr unzufrieden kann, konnte ich zwischenzeitlich sehr gut vorantreiben, so dass ich nur noch bei ausgewählten Themen recherchieren und lesen muss. Außerdem konnte ich bereits Teilnehmer von zwei weiteren Kursen im Verkehrsinstitut München (VM) befragen und mir einen ersten Überblick über die Daten verschaffen. Hier hat sich gezeigt, dass die Teilnehmer die Fragebögen zum Teil sehr unvollständig ausfüllen. Ich bin gespannt, ob sich das bei den noch folgenden beiden Kursen ebenfalls so zeigen wird und ob sich dann Besonderheiten bei der Auswertung sichtbar werden. Ich habe es bislang noch nicht geschafft, meine beiden letzten Empirie-Teile zu präzisieren, nämlich die Abschlussbefragung der Ausbilder im VM sowie die Befragung der Ghostthinker als den Entwicklern und Anbietern von edubreak. Das liegt jedoch auch größtenteils daran, dass ich es als sinnvoll erachte, diese Punkte erst anzugehen, wenn die Befragung aller Fahrlehreranwärter im VM abgeschlossen ist bzw. wenn ich meinen Theorieteil zum Thema Implementation geschrieben habe. Meine Sichtweise wurde zum Glück im Kolloquium bestätigt, so dass ich diese beiden Empirie-Teile hoffentlich im Herbst soweit vorbereitet haben werde, dass ich die letzten Daten erheben kann. Mit meinen Überlegungen, wie ich meine Fülle an Daten auswerten will, bin ich ebenfalls noch nicht weitergekommen. Aber auch das will ich machen, wenn mein Theorieteil in einer ersten Version steht und ich mir den nötigen theoretischen Unterbau erarbeitet habe.
Ursprünglich wollte ich im Mai mit dem Schreiben anfangen. Aber wie schon erwähnt, hat das bislang nicht geklappt. Ich denke, das hat vor allem zwei Gründe. Zum einen finde ich es im Moment sehr schwer, mir Zeiträume zu schaffen, wo ich mal mehrere Stunden (zumindest zwei bis drei) am Stück an der Diss arbeiten kann. Dafür war zum einen zu viel im Projekt los und ich war deshalb auch viel unterwegs. Zum anderen steht jetzt privat noch der Umzug in eine neue Wohnung an, weshalb viel Zeit außerhalb der Arbeit am Projekt dafür draufgeht. Manchmal denke ich mit Wehmut an das Schreiben der Bachelor- oder Masterarbeit zurück, als man drei bzw. sechs Monate konzentriert einen Großteil seiner Zeit nur dem einen Thema widmen konnte. Das ist bei einer Promotion natürlich nochmal ganz anders, zumindest, wenn man nebenher arbeitet. Ich bin nur froh, dass meine Projekte inhaltlich mit der Diss-Thematik zusammenhängen, weil ich dann nicht ständig komplett umdenken muss. Es ist aber auch eine Herausforderung, zu lernen, sich die nötigen Freiräume zu schaffen und seine Arbeit so zu organisieren, dass man eben genug Zeit für die Diss aufbringen kann, um nach drei bis vier Jahren fertig zu sein.
Zum anderen hadere ich gerade wahrscheinlich noch zu sehr mit meiner Argumentationsstruktur, die mir selbst noch unfertig bzw. unausgereift erscheint. Und das hindert sicherlich daran, mich hinzusetzen und das Schreiben anzufangen. Bei der Vorbereitung aufs Kolloquium sowie in der Diskussion mit den anderen ist mir deutlich geworden, dass ich noch an meiner Argumentationsstruktur feilen muss. Gerade in Bezug auf das Thema Implementation bin ich mir noch etwas unsicher. Als ich mich entschieden habe, meinen Schwerpunkt auf die Implementation der internetgestützten Videoreflexion in der Fahrlehrerausbildung zu legen, kannte ich mich mit Implementationsforschung fast gar nicht aus. Inzwischen habe ich sehr viel dazu gelesen, das meiste eher aus dem Bereich der Wirtschaftspädagogik oder Wirtschaft allgemein. Aus dem Bereich der Mediendidaktik gibt es bislang noch sehr wenig, weshalb ich es auch spannend finde, meine Arbeit darauf zu fokussieren. Jedoch muss ich zunächst für mich selbst mehr Klarheit in die verschiedenen, in der Literatur zum Teil sehr unterschiedlich gebrauchten Begriffe reinbringen und anschließend aus der Fülle an Literatur die Aspekte herausarbeiten, die für meinen Kontext – die Fahrlehrerausbildung – relevant sind. Gabis Hinweis im Kolloquium, dass man mit der Verwendung des Begriffs „mediendidaktische Innovation“ aufpassen muss, weil manche damit ihre Probleme haben, finde ich hierbei sehr wichtig. Denn was eine Innovation ist und was nicht, wird zum Teil sehr unterschiedlich gesehen. Hier muss ich in meiner Arbeit sehr deutlich machen, warum ich etwas als neu oder sogar als innovativ bezeichne. Daher könnte es sinnvoll sein, nach anderen Begriffen zu suchen und nicht so sehr von einer mediendidaktischen Innovation in Bezug auf die internetgestützte Videoreflexion in der Fahrlehrerausbildung zu sprechen. Meine neuen Untertitel werde ich daher wohl nochmal anpassen müssen.
In den nächsten Monaten möchte ich zunächst noch nach weiteren Studien zu Videoreflexion in unterschiedlichen Bereichen (außer der Lehrerbildung, da habe ich schon mehr als genug) suchen und diese dann auch lesen. Außerdem werde ich meine Argumentationsstruktur schärfen, insbesondere was das Kapitel zur Implementationsforschung angeht. Und anschließend möchte ich mir die nötigen Zeiträume schaffen, um mit dem Schreiben anfangen zu können. Parallel läuft natürlich die Datenerhebung im VM weiter. Im September/Oktober möchte ich dann anfangen, meine letzten beiden Empirie-Teile zu planen und auszugestalten, um möglichst noch in diesem Jahr die letzten Daten erheben zu können. Mal sehen, was ich dann im nächsten Doktorandenkolloquium berichten werde.
Drei Jahre Fernbeziehung mit regelmäßig langen Zugfahrten und ständigen Verspätungen haben mein Bild der Deutschen Bahn geprägt. Trotzdem fahre ich immer wieder mal mit der Bahn (ist ja umweltfreundlicher) und versuche, nur dann zu fliegen, wenn die Bahnfahrt so lange dauert, dass eine zusätzliche Übernachtung nötig wird. Nach meinem Termin imVerkehrs-Institut Bielefeld vergangenen Freitag war das nicht der Fall, so dass ich genug Zeit hatte, Bahn zu fahren und im Zug hoffentlich ein wenig zu arbeiten. Dachte ich. Der erste Teil der Fahrt nach Hannover verlief recht unspektakulär, der Zug war halt, typisch Freitagmittag, ziemlich voll. Ab Hannover ging es dann mit dem ICE 587 weiter nach München. Nachdem der erste Ärger über fehlende Steckdosen verflogen war und ich mich schon damit abgefunden hatte, fünf Stunden rumbringen zu müssen, ohne arbeiten zu können (schwer ohne Laptop), ging es eigentlich. Bis wir nach ca. einer Stunde hinter Kassel in einen Tunnel fuhren und der Zug dort einfach liegen blieb.
Damit begann das Abenteuer Deutsche Bahn. Über eine Stunde wurden wir hingehalten mit der Aussage, dass der Triebwagen eine technische Störung hat, man aber weder Genaueres weiß noch sagen könnte, wann es weitergeht. Zu allem Übel war mit der technischen Störung auch ein Stromausfall verbunden. In unserem Waggon gab es immerhin Licht, aber Klimaanlage bzw. Lüftung waren ausgefallen. Macht sich bei einem überfüllten Zug natürlich super. In anderen Abteilen war sogar das Licht ausgefallen, mitten im Tunnel ist das sehr angenehm. Erst nach über einer Stunde wurde uns mitgeteilt, dass der Zug überhaupt nicht weiterfahren kann und wir nun in einen anderen Zug evakuiert werden. Der erste Zug, der auf dem Parallelgleis hielt, um Reisende unseres ICE 587 aufzunehmen, war nur dummerweise selbst total überfüllt – völlig unerwartet am Freitagnachmittag. Daher wurden zunächst nur einige wenige Menschen evakuiert, der Rest von uns durfte auf den nächsten Zug warten, während es immer heißer und stickiger wurde. Nach deutlich mehr als den angekündigten zehn Minuten kam dann auch der versprochene ICE, diesmal ein leerer mit genug Platz für alle Reisende unseres Zuges.
Man möchte ja meinen, dass das Bahn-Personal für solche Ereignisse geschult wird und weiß, wie man mit der Situation (Evakuierung eines Zuges) umgeht. Den Eindruck hatte aber wohl keiner der Reisenden. Statt die Leute zu beruhigen und dafür zu sorgen, dass die Evakuierung ruhig und gesittet abläuft, schien das Personal überfordert. Davon abgesehen, dass offensichtlich keiner der Beteiligten schonmal einen Rettungssteg zwischen zwei Zügen gelegt hatte, sorgte eine Rollstuhlfahrerin in unserem Abteil für völlige Ratlosigkeit beim Personal. Auf die Frage ihres Mannes, ob es denn möglich ist, sie mit dem Rollstuhl in den neuen Zug zu evakuieren, stammelte der DB-Mann etwas ratlos rum, meinte, er wisse das nicht, man müsste es mal probieren etc. Was den Mann, der gefragt hatte, noch mehr verunsicherte. Da man den Rollstuhl über den schmalen Steg nicht einfach drüberfahren konnte, sondern ihn tragen musste, sorgte das für das nächste Problem. Keiner der Bahn-Leute war bereit, hierbei zu helfen, weshalb dann andere Reisende bereitwillig eingesprungen sind. Zum Glück sind andere Menschen noch hilfsbereit.
Die restliche Evakuierung dauerte noch eine Weile, weil es auch etwas chaotisch ablief, die Leute hektisch raus wollten und das Personal wieder überhaupt nicht beruhigend eingegriffen hat. Naja. Im neuen Zug gab es dann zunächst Getränke und Essen umsonst, was ja ein nettes Zeichen ist. Nach über drei Stunden in einem total überhitzten Zug war es auch nötig. Nach über dreieinhalb Stunden fuhr der neue ICE dann auch endlich los und genau zu dem Zeitpunkt machte das Bord-Bistro dicht und bis München gab es dann keinerlei Getränke und Essen im Zug mehr. War wohl der erste Andrang zu groß…
Seien wir mal ehrlich, Pannen können immer vorkommen. Teile an Zügen gehen auch mal kaputt. (Interessant ist nur, dass ein Mitreisender berichtet hat, der ICE 587 hätte in der Vorwoche aus einem ganz ähnlichen Grund schon Verspätung gehabt – aber das ist eine andere Geschichte.) Was mich bei diesen Geschichten am meisten stört, ist die Informationspolitik der Bahn. Den Reisenden wird grundsätzlich nicht gesagt, was denn jetzt genau das Problem ist und Auskünfte, was weiter geplant ist, braucht man eh keine erwarten. Flo hat sich, während ich im Tunnel festsaß, bei der Bahn über Twitter erkundigt, was denn genau das Problem sei. Alles, was zurückkam, war, dass der ICE587 aufgrund einer technischen Störung Verspätung habe. Auf Flos Antwort, dass technische Störung und Verspätung bei einer Evakuierung mitten im Tunnel wohl ein Understatement seien, kam nur die Antwort, der Zug fällt jetzt aus und wird ersetzt (siehe Bild links). Dass die Bahn bei solchen Vorfällen nur mit Standardantworten reagiert und sich nicht mal die Mühe macht, genauere Informationen zu kommunizieren, finde ich ganz schön schwach.
Liebe Bahn, es würde mich sehr freuen, wenn ihr eure Informationspolitik in Zukunft vielleicht ein wenig überdenkt. Wenn ihr schon Twitter zur Kommunikation mit euren Kunden nutzt, dann schreibt doch bitte keine Standard-Plattitüden, wenn ihr auf außergewöhnliche Vorfälle angesprochen werdet und die Leute gerne ein paar Infos mehr hätten. Und schult doch bitte euer Personal ein bisschen besser, damit es in solchen Situationen den Leuten Mut machen und kompetent handeln kann. Oder ist es eure Politik, dass bei Evakuierungen andere Reisende Menschen, die z.B. im Rollstuhl sitzen, helfen müssen, während euer Personal nur überfordert danebensteht und zuschaut?
Nächste Woche bin ich auf meinen weiteren Besuchen bei den ViFa-Projektpartnern wieder auf Deutschlandtour, größtenteils mit der Bahn. Diesmal aber hoffentlich ohne Abenteuer und mit weniger Verspätung.
Dank dem 6. Fit to Drive-Kongress bin ich vergangene Woche zum ersten Mal in Barcelona gewesen. Die Stadt ist wirklich toll, habe mich gleich in sie verliebt. Der Besuch des Kongresses hat sich also allein wegen der Stadt schon gelohnt. Aber nicht nur deswegen. Fit to Drive ist ein Kongress, der regelmäßig vom Verband der TÜV e.V. (VdTÜV) in Kooperation mit Partnerorganisationen aus dem jeweiligen Gastgeberland veranstaltet wird und sich ganz übergeordnet den Themen Verkehrssicherheit und Fahrtüchtigkeit widmet, dieses Jahr unter dem Motto “Reality and Vision – Common problems, European solutions“. Vertreter aus dem Bereich der Verkehrspsychologie und der Verkehrsmedizin sowie aus Politik und Verwaltung diskutieren dort gemeinsam über verschiedene Möglichkeiten, wie die Verkehrssicherheit weiterhin erhöht werden kann.
Eigentlich hätte ich bereits vergangenes Jahr am Fit to Drive-Kongress in Den Haag teilnehmen und dort unser inzwischen abgeschlossenes EU-Projekt “Driver Instructor Education 2.0″ vorstellen sollen. Leider kam mir aber wenige Tage vor dem Kongress mein Fahrradunfall dazwischen. Da sich unser aktuelles Projekt “Videoeinsatz in der Fahrlehrerausbildung (ViFa)” ebenfalls einem Thema widmet, dass gut zur Ausrichtung des Kongresses passt, habe ich dieses Jahr eine zweite Chance zur Teilnahme bekommen. Unter der Auflage, dass ich in den Wochen vor dem Kongress auf das Fahrradfahren verzichte – was ich natürlich auch gemacht habe. Für mich war Fit to Drive der erste große internationale Kongress, an dem ich bislang außerhalb Deutschlands teilgenommen habe und dessen Zielpublikum mir vorher unbekannt war. Entsprechend war ich im Vorfeld auch aufgeregt. Hinzu kam noch, dass der Vortrag auf Englisch gehalten werden musste und die meisten anderen Redner Profs oder Doktoren waren. Im Nachhinein bin ich aber sehr froh, mich dieser Herausforderung gestellt zu haben, denn ich hatte eine schöne Zeit in Barcelona, habe unser Projekt einem internationalen Publikum vorstellen können, habe viele interessante Personen kennengelernt und mal wieder einiges dazugelernt.
Fit to Drive war der erste Kongress zum Thema Verkehrssicherheit, den ich bislang besucht habe. Umso interessanter fand ich es zu hören, welche Themen in diesem Bereich aktuell diskutiert werden. 2001 hatte sich die EU das Ziel gesetzt, die Zahl der Verkehrstoten bis 2010 zu halbieren. Seit damals konnte diese Zahl um immerhin 43 Prozent reduziert werden. Bei seiner Eröffnungsrede sprach Dr. Klaus Brüggemann vom VdTÜV aber sogar von “Vision 0″. Auch wenn die Zahl der Verkehrstoten im letzten Jahr in Deutschland seit langem wieder gestiegen ist, sei es das langfristige Ziel, tödliche Verkehrsunfälle komplett zu verhindern. Und das solle durch Bildung, Infrastruktur und gesetzliche Regelungen erreicht werden.
Themen des Kongresses waren dann vor allem die Primärprevention in Vorschule, Schule, Verkehrserziehung und Fahrschule, Sekundär- und Tertiärprävention mit besonderem Augenmerk auf Verkehrsteilnehmer mit Alkohol- und Drogenproblemen sowie Fahreignungsbegutachtung, verkehrspsychologische Beratung, Rehabilitation und Therapie in den EU-Staaten. Der Fokus lag dabei vor allem auf den (angehenden) Fahrern und anderen Verkehrsteilnehmern. Fahrlehrer, also diejenigen, die den künftigen Fahrern alle nötigen Kenntnisse und Fähigkeiten für ein sicheres, verantwortungsvolles und umweltbewusstes Fahren vermitteln sollen, kamen nur am Rande zur Sprache.
Genau um diese Zielgruppe, die Fahrlehrer, ging es aber in meinem Vortrag. Denn im ViFa-Projekt beschäftigen wir uns damit, wie die Fahrlehrerausbildung durch den Einsatz von Videotechnologien und den Austausch von Wissen und Erfahrungen der Ausbilder zu diesem Thema verbessert werden kann. Im Vorfeld habe ich mir viele Gedanken darüber gemacht, was genau ich in Barcelona über unser Projekt erzählen möchte. Denn bislang ist einiges nicht ganz so gelaufen, wie wir es uns vorgestellt oder erwartet hatten. Vor allem die aktive Beteiligung in unserer Community “Fahrlehrer-Netz” ist bisland eher verhalten. Aber so ist es wohl mit Projekten, vieles läuft eben anders als gedacht, weil man menschliches Handeln im Vorfeld nicht durchplanen kann. Letztendlich bin ich in Barcelona offensiv mit den Herausforderungen, die uns im Projekt begegnen, umgegangen. Und ich hatte das Gefühl, dass das gut beim Publikum angekommen ist. Oft kommt es mir so vor, dass auf Tagungen und Kongressen eher von Erfolgen und positiven Ergebnissen berichtet wird, aber weniger über Herausforderungen und Probleme. Dabei kann man gerade aus letzteren ebenfalls viel lernen und mit anderen darüber diskutieren, wie man diese lösen könnte. Unsere größten Herausforderungen im Moment sind die Konkurrenzsituation der Fahrlehrerausbildungsstätten (unserer Praxispartner) untereinander, was den Wissensaustausch erschwert, die Medienkompetenz einiger Community-Nutzer sowie das klassische Zeitproblem der Nutzer, dass einem immer begegnet, wenn man Neuerungen in routinierte Arbeitsabläufe einführt.
Die nächsten Schritte im Projekt werden jetzt für mich sein, die bisherigen Projektaktivitäten und die Gründe für die geringe Community-Aktivität genau zu untersuchen und anschließend Lösungsmöglichkeiten zu suchen. Die Reaktionen auf meinen Vortrag in Barcelona haben mich darin bestärkt, unser Projektziel, Standards für die Lehrkompetenzförderung in der Fahrlehrerausbildung (durch Videoeinsatz) aus der Praxis heraus zu entwickeln, weiterhin zu verfolgen. Fahrlehrer stehen heute vor großen Herausforderungen in ihrem berflichen Alltag und ihre Ausbildung muss sie bestmöglich darauf vorbereiten. Denn nur, wenn wir gut ausgebildete Fahrlehrer haben, wird es auch eine sehr gute Fahrausbildung geben – eine Grundlage für die Verbesserung der Verkehrssicherheit. Daher bin ich gespannt, wie sich das Berufsbild der Fahrlehrer in den kommenden Jahren entwickeln wird. Die Ausbildungssysteme innerhalb Europas sind sehr unterschiedlich und dennoch fordert das Road Safety Programme der EU von 2010, dass grundlegende Kriterien für Fahrlehrer in Europa eingeführt werden. Die Palette an Ausbildungssystemen reicht momentan von einem kaum regulierten Zugang zum Fahrlehrerberuf in Belgien bis hin zu einem FH-Studium für angehende Fahrlehrer in Norwegen. Bleibt abzuwarten, welchem System sich die grundlegenden Kriterien mal annähern werden.
Seit ich mich vor inzwischen fast zwei Jahren dazu entschieden habe, zu promovieren, werde ich immer wieder von Freunden, Verwandten, Bekannten und anderen Menschen gefragt, warum ich das eigentlich mache. Über eine Antwort musste ich eigentlich nie lange nachdenken. Ich mache das, weil mir die Projekt-Arbeit an der Uni viel Spaß macht und ich es interessant finde, mich mit einem wissenschaftlichen Thema vertieft über einen längeren Zeitraum zu beschäftigen. Das konnte ich beim Verfassen meiner Bachelor- und Masterarbeit schon feststellen. Soweit so gut. Da die Frage aber immer wieder kommt und einige Leute auch gerne vertieft fragen (Und was machst du später mal damit?), und ich mich das manchmal selbst frage, wenn ich mal eine der Diss-Tiefphasen habe (ja, die kommen immer mal wieder vor), wollte ich schon länger mal einen Beitrag dazu schreiben. Vielleicht geht es anderen Doktoranden ja ähnlich und ich dachte mir, eine Selbstreflexion über das Warum meiner Promotion könnte nicht schaden.
An sich ist es so, dass ich eigentlich früher nie eine Uni-Karriere angestrebt oder auch nur daran gedacht habe. Als ich anfing zu studieren, stand für mich fest, dass ich später mal im Bereich Öffentlichkeitsarbeit und Unternehmenskommunikation arbeiten möchte. An Bildungswissenschaften und Mediendidaktik habe ich damals nicht gedacht. Aber es kommt ja eh alles immer anders als man denkt. Wir hatten in Augsburg neben Kommunikationswissenschaft und Medieninformatik bei Gabi das Hauptfach Medienpädagogik. So bin ich das erste Mal Themen rund um das Lehren und Lernen mit Medien begegnet und schrieb dann meine Bachelorarbeit über bloggende Lehrer. Im Masterstudium arbeitete ich dann als studentische Hilfskraft an der Professur für Medienpädagogik. Das war die perfekte Möglichkeit, einen Einblick zu erhalten, wie die Arbeit an einer Professur eigentlich so aussieht. Auch als Hiwis hatten wir die Möglichkeiten, in Projekte der Professur reinzuschnuppern und eigene Ideen einzubringen. Und wir durften bei Interesse auch mal ins Doktorandenkolloquium kommen. Durch den Austausch mit den wissenschaftlichen Mitarbeitern entstand bei mir so nach und nach ein ungefähres Bild davon, was es heißt, zu promovieren. Als mir Gabi dann die Möglichkeit angeboten hat, die Koordination und wissenschaftliche Begleitung vom EU-Projekt „Driver Instructor Education 2.0“ zu übernehmen, habe ich mich entschieden, erstmal an der Uni zu bleiben. Und damit fiel dann auch mehr oder weniger die Entscheidung für die Promotion. Das Projekt hat sich gut entwickelt, ich fand die Thematik spannend und so bin ich dann bei meinem Thema gelandet.
Im Moment arbeite ich sehr gerne an der Uni, betreue schon mein zweites Projekt und schätze die Freiheiten, die ich hier habe, sehr. Ich finde die Projektarbeit sehr spannend, auch wenn sie manchmal an den Nerven zehrt. So ist es halt bei Projekten, nicht alles läuft immer, wie es soll, und es passieren immer wieder unvorhersehbare Dinge, auf die man dann spontan reagieren muss. Aber gerade dadurch lerne ich wirklich viel dazu und möchte das auch noch eine Weile machen. Ewig will ich mich aber nicht über Drittmittel finanzieren. Jeder, der das selbst muss oder mal musste, wird das vermutlich verstehen können. Anträge schreiben und dann zittern, ob diese auch bewilligt werden und damit eine Anschlussfinanzierung gesichert ist, ist zwar auch mal eine spannende Erfahrung, aber eben nichts, was ich auf Dauer machen möchte. Ich bin nur froh über den Rückhalt, den wir diesbezüglich bei Gabi haben. Danke dafür! Was ich mal machen werde, wenn die Diss fertig ist, kann ich im Moment selbst nicht sagen. Es gibt einige Dinge, die ich mir vorstellen kann, aber festlegen will ich mich noch nicht. Wer weiß, was noch alles passiert. Womit ich die Frage danach, was ich später mal machen will, zunächst mit „Mal sehen“ beantworten will. Man kann sein Leben ja nicht komplett durchplanen, auch ich habe das inzwischen gelernt.
Also, warum promoviere ich jetzt nochmal? Weil es mir in erster Linie Spaß macht und weil ich Dinge, die ich anfange, in der Regel auch zu Ende bringe (abgesehen von manchen Büchern, die ich bis heute noch nicht zu Ende gelesen habe). Natürlich gibt es Zeiten, in denen die Diss mich nervt und frustet und ich statt Literatur zu wälzen, lieber etwas anderes machen würde (gerade bei dem schönen Wetter im Moment). Ich bin auch immer mal wieder wahnsinnig unsicher, ob das, was ich mache, wirklich Sinn macht oder nicht doch unglaublich banal ist. Aber das ist zum Glück nicht immer so und gehört, so zumindest die Aussagen einiger bereits Promovierter, zum Prozess dazu. Und man muss lernen, mit solchen Momenten umzugehen. Da bin ich noch dabei. Um den Doktor-Titel geht es mir nicht und besondere Vorteile auf dem Berufsmarkt verspreche ich mir davon auch nicht. Aber das lässt sich wohl erst hinterher wirklich beurteilen, daher versuche ich mir momentan möglichst noch keine Gedanken darüber zu machen.
Für mich hat die Promotion auch nicht die höchste Priorität in meinem Leben. Ich weiß, dass einige Promotions-Ratgeber einem raten, in der Zeit, in der man promoviert, die Diss erstmal über alles andere zu stellen. Das kann und ich will ich aber nicht tun und dazu stehe ich auch. Für mich haben immer noch Familie und Freunde (ich bin ein Herdentier, wie mein Mann so schön sagt) sowie meine Gesundheit (hier war der Kieferbruch letztes Jahr sehr lehrreich) die höchste Priorität. Ich weiß natürlich, dass irgendwann die Phase kommen wird, in der die Diss in die finale Phase geht und Freunde und Familie besonders viel Geduld mit mir brauchen werden. Ich bin ihnen jetzt schon dankbar, denn ich weiß, wie unausstehlich ich sein kann, wenn ich im Stress bin. Aber ich hoffe, dass ich Privatleben, Job und Diss auch weiterhin gut auf die Reihe bekommen werde.
Nach einigen Monaten Funkstille in diesem Blog und einigen technischen Problemen, die erst nach einem Hosting-Upgrade gelöst werden konnten, wird es mal wieder Zeit, dass ich was schreibe. Anlass dafür ist diesmal meine Präsentation im Doktorandenkolloquium vergangenen Freitag (16.12.). Das Kolloquium ist immer wieder eine gute Gelegenheit, nicht nur den anderen Teilnehmern zu präsentieren, wo ich gerade mit seiner Diss stehe, sondern auch, um mir selbst Gedanken darüber zu machen und zu schauen, was ich in den letzten Monaten eigentlich so alles gemacht habe.
Meine ersten Überlegungen darüber, was ich gerne in meiner Diss machen will, habe ich mir so richtig im Juni 2010 gemacht. Klar war damals schon, dass ich mich mit dem Einsatz digitaler Medien in der Fahrlehrerausbildung beschäftigen möchte, ausgehend von unserem EU-Projekt. Nach einer ersten Auseinandersetzung mit der Literatur zum Thema und den erfreulichen Entwicklung im Projekt rückte mein Fokus im Herbst 2010 auf den Einsatz der internetgestützten Videoreflexion in der Fahrlehrerausbildung, den ich in einer Fallstudie untersuchen wollte. Durch meine Forschungsnotiz und die Rückmeldungen darauf kam im November 2010 schließlich das Thema Implementation didaktischer Innovationen ins Spiel. Soweit die Genese meiner Themenfindung. Bis April 2011 widmete ich mich dann aber in erster Linie dem Abschluss des EU-Projektes, was auch die Erhebung der letzten Daten und eine deskriptive Auswertung für den Evaluationsbericht beinhaltet hat. Da jedoch das EU-Projekt die Ausgangsbasis für meine Arbeit ist und die im Projekt erhobenen Daten die Grundlage für meine Empirie bilden, kann ich nicht behaupten, dass ich in dieser Zeit gar nichts für die Diss gemacht hätte.
Bei der Präsentation meines Stands der Dinge im Mai 2011 standen für mich deswegen vor allem die weitere Literaturarbeit sowie die Erstellung eines Zeitplans im Vordergrund. Gerade letzteres hing damals von der Frage der Nachfolgefinanzierung ab. Wie in diesem Blog aber bereits berichtet, hat sich diese Frage im Juni geklärt. Und so habe ich dann auch einen ersten groben Zeitplan gemacht, einfach weil ich für mich gewisse Meilensteine brauche, an denen ich mich orientieren kann (ist wohl Teil meines kleinen Planungsticks ) Die Zeit seit Mai habe ich aber vor allem dafür genutzt, mich mit der Literatur zu meinem Thema auseinanderzusetzen. Allerdings braucht das mehr Zeit, als ich zunächst gedacht habe (weshalb der erste Zeitplan schon etwas angepasst werden musste). Ein Grund dafür ist sicherlich, dass das Thema Innovations- und Implementationsforschung für mich noch völlig neu war und ich mich zunächst in die Thematik einlesen musste. Einen groben Überblick habe ich inzwischen, jetzt geht es ums Vertiefen. In Auseinandersetzung mit der Literatur zu diesem Thema kam mir der Gedanke, einen Fall aus dem EU-Projekt für ein weiteres Jahr wissenschaftlich zu begleiten. Es handelt sich dabei um das Verkehrsinstitut München (VM), eine Fahrlehrerausbildungsstätte, die die internetgestützte Videoreflexion auch nach Projektende weiterhin einsetzt. An diesem Beispiel möchte ich untersuchen, wie sich die internetgestützte Videoreflexion nicht nur innerhalb eines Pilotprojektes implementieren lässt, sondern wie der Einsatz auch verstetigt werden kann. Die Planung der Datenerhebung zu diesem Fall und meine Literaturarbeit waren also das, was mich seit Mai in Bezug auf meine Diss beschäftigt hat.
Meine Präsentation im Kolloquium war für mich daher ein guter Zeitpunkt, um alles, was ich gemacht und mir überlegt habe, wieder zu ordnen und alle aufgetauchten Fragen (die ich in meinem kleinen schwarzen Diss-Notizbuch aufschreibe) zu sammeln und zu sortieren. Außerdem habe ich die Gelegenheit genutzt, um meine Forschungsfragen zu überarbeiten und zu präzisieren, eine übergeordnete Zielsetzung zu formulieren und einen ersten groben Aufbau für den Theorieteil zu erstellen. Trotz der Fragen, die sich mir immer wieder stellen, sehe ich doch, dass ich in den letzten sechs Monaten vorangekommen bin (wenn auch nicht im gewünschten Tempo). Das Schöne ist, dass mich die vielen Fragen, die mir jetzt begegnen, nicht total verunsichern, sondern mir eher zeigen, dass ich vorankomme, denn die Art der Fragen hat sich verändert, ich frage immer vertiefter. Ganz ohne Verunsicherung geht es aber natürlich nach wie vor nicht, aber ich denke, das ist halbwegs normal.
Die Diskussion meiner Arbeit im Kolloquium fand ich auch diesmal wieder spannend und fruchtbar für mich. Mir ging es vor allem darum, mit den anderen zu klären, inwiefern meine übergeordnete Zielsetzung, die Forschungsfragen und mein erster Aufbau für den Theorieteil verständlich und nachvollziehbar sind und ob mein geplantes Vorgehen für die weitere Begleitung der Videoarbeit am VM sinnvoll erscheint. Insgesamt habe ich das Gefühl, hier auf dem richtigen Weg zu sein. Meine Forschungsfragen werde ich jetzt dahingehend überarbeiten, dass ich mit zwei Überfragen und einigen Unterfragen arbeiten: Zum einen möchte ich untersuchen, wie sich die internetgestützte Videoreflexion in der Aus- und Weiterbildung von Fahrlehrern implementieren in unterschiedlichen Kontexten (z.B. untersch. Länder) lässt und hier vertieft fragen, welche Erwartungen die beteiligten Ausbilder an die internetgestützte Videoreflexion haben, wie Ausbilder, Fahrlehrer und Fahrlehreranwärter die internetgestützte Videoreflexion nutzen und inwiefern das Konzept verändert und angepasst wird. Zum anderen möchte ich schauen, welche Veränderungen die Implementation bewirkt und dabei zwischen individuellen Wirkungen und sozialen Veränderungen unterscheiden.
Interessant war für mich auch die Frage danach, wie es die anderen Mit-Doktoranden mit dem Schreiben halten, also ob sie zuerst schreiben und dann die Daten auswerten oder andersrum. Als ich meinen ersten Zeitplan gemacht habe, bin ich davon ausgegangen, dass ich nach der Literaturarbeit zuerst die Daten auswerten und erst dann schreiben werde. Inzwischen erscheint es mir sinnvoller, zuerst meine Theoriebausteine auszuformulieren und erst dann an die Datenanalyse zu gehen. Ich habe das Gefühl, das Gelesene erst schriftlich für mich verarbeiten zu müssen, bevor ich es sinnvoll für die Auswertung der Daten nutzen kann. Aus dem Kolloquium nehme ich mit, dass es auch dafür, wie für so ziemlich alles, kein Patentrezept gibt und man sich vor allem von seinem Gefühl leiten lassen soll. Zuerst Schreiben und dann Daten auswerten, macht durchaus Sinn. Aber in diesem Fall sollte man nicht am bereits Geschriebenen um jeden Preis festhalten, sondern offen dafür sein, dass man es wird nochmals überarbeiten müssen, da sich immer wieder etwas verändern kann, auch die eigene Gliederung.
Für die nächsten Monate steht bei mir nun weitere Literaturarbeit an: Ich möchte die Themen Innovations- und Implementationsforschung, Fahrlehrerausbildung und Videoreflexion vertiefen, bevor ich mich an das Schreiben der Theoriebausteine mache. Parallel dazu werde ich mich um die Datenerhebung im VM kümmern und meine letzten noch fehlenden Empirie-Teile präzisieren. Das nächste Mal werde ich im Juni 2012 meinen Stand der Dinge im Kolloquium präsentieren. Ich bin schon gespannt, wie weit ich bis dahin komme.
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