Almaty, Kasachstans heimliche Haupstadt am Fuße des Tien Schan Gebirge

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Nach Astana, Alexejewka und Borowoje steht noch ein letztes Ziel auf unserer Kasachstan-Reise: Almaty, die alte und bis heute heimliche Hauptstadt am Fuße des nördlichen Tien Schan Gebirges. Als Kind bin ich hier leider nie gewesen. Kein Wunder, Almaty liegt rund 1300 Kilometer von meiner alten Heimatstadt entfernt. Da wir aber unbedingt das Tien Schan Gebirge sehen wollen, steht außer Frage, dass wir nach Almaty müssen. Da man selbst mit dem schnellsten Zug über 12 Stunden für die Strecke braucht, entscheiden wir uns, von Astana aus zu fliegen, zumal die Flüge auch sehr günstig sind. Und schon der Anflug auf Almaty ist beeindruckend. Denn direkt hinter der Stadt erhebt sich die gewaltige Kulisse der Bergriesen, die bis über 4.000 Meter hoch sind.

Wir verlieben uns sofort in diese Stadt. Im Gegensatz zu Astana spürt man in Almaty das Leben, mit rund 1,7 Millionen Einwohnern ist sie die größte Stadt Kasachstans. Und sie blickt auf eine lange Geschichte zurück. Sie wurde nicht innerhalb der letzten zehn Jahre komplett neu erbaut und das sieht man auch. Alte und neue Gebäude prägen das Stadtbild, unterschiedlichste Architekturstile treffen hier aufeinander. Als Almaty noch Hauptstadt war, hieß die Stadt Alma Ata, was übersetzt in etwa “Vater des Apfels” heißt. Denn von hier kommt ursprünglich der Apfel und auf ihn trifft man überall in der Stadt.

Ein berühmtes Wahrzeichen der Stadt ist der 1.130 Meter hohe Hausberg Kök Töbe mit dem Fernsehturm. Mit der Seilbahn fahren wir auf den Berg, genießen die wundervolle Aussicht und ein leckeres kasachisches Abendessen. Insgesamt können wir über das Essen nicht klagen. In Kasachstan kriegt man fast überall sehr gutes Essen zu meist mehr als akzeptablen Preisen. Wenn es mal etwas mehr kostet, so liegt das eher daran, dass das Restaurant etwas teureres Geschirr besitzt. An der Qualität des Essens ändert der Preis nichts.

Während wir oben auf dem Kök Töbe den Abend ausklingen lassen und den Sonnenuntergang über der Stadt genießen, braut sich ein gewaltiges Gewitter auf. Wir schaffen es gerade noch rechtzeitig, uns ins halbwegs Trockene zu retten und warten das Gröbste ab, bevor wir wieder die Seilbahn nach unten nehmen. Dort müssen wir uns von Wladimir, dem Betreiber des Gasthauses, in dem wir untergekommen sind, abholen lassen. Denn an diesem Abend waren wir auf Gewitter mit Regen nicht eingestellt. ^^

In den nächsten Tagen erkunden wir den Grünen Markt sowie einen der größten Basare Zentralasiens, Baracholka. Es gibt quasi nichts, was man hier nicht kaufen könnte. Für mich ist besonders der Stoffmarkt ein Paradies, denn ich nähe unheimlich gerne. Direkt an der alten Seidenstraße kann man sehr gute und preislich attraktive Stoffe kaufen. Jedoch setzt mir das Höchstgewicht, das unser Gepäck haben darf, dann doch Grenzen. ^^

Neben den Märkten schauen wir uns die anderen Sehenswürdigkeiten der Stadt an: das Haus der Stoffe, das seit 1896 besteht, den Park der 28 Panfilov-Gardesoldaten, die Himmelfahrtskathedrale, den Platz der Republik, den Zentralen Kultur- und Erholungspark, auch Gorkij-Park genannt.

Doch am meisten freuen wir uns auf den Ausflug in das Gebirge. Wie praktisch, dass wir bei der Autovermietung statt des bestellten Kleinwagens einen Geländewagen bekommen. Den hätten wir in Astana und Alexejewka zwar deutlich besser brauchen können, denn in Almaty und auch im Gebirge sind die Straßen in erstaunlich gutem Zustand. Aber praktisch ist der Wagen schon. 🙂 Und so fahren wir zunächst raus zur berühmten Eisschnellaufbahn Medeo. Von dort geht es mit mehreren Seilbahnen ganz nach oben auf 3.200 Meter Höhe, auf den Shymbulak – im Winter ein beliebtes Skigebiet. Aber auch jetzt im Sommer immer einen Ausflug wert. Hier im Gebirge bietet sich uns ein atemberaubender Blick. Wir schauen auf ganz Almaty und das dahinterliegende Umland. Und hinter uns erheben sich noch höhere Berge. Und dann entdecken wir auf einer Anhöhe einige Yaks! Egal, wie dünn die Luft hier oben ist, Flo und ich lassen es uns nicht nehmen, uns diese Tiere aus der Nähe anzuschauen. Wann hat man denn jemals wieder eine Gelegenheit dazu?

Der Ausflug in die Berge ist ein wirklich tolles Erlebnis, das wir drei sicherlich nicht so schnell vergessen werden und das nur schwer zu beschreiben ist. Das tröstet auch darüber hinweg, dass ausgerechnet an diesem Tag sowohl mein Vater als auch ich unsere Ersatzakkus für die Kameras vergessen haben. Für die wichtigsten Aufnahmen reicht es zum Glück noch.

Und weil es so schön ist in den Bergen, fahren wir am Tag darauf zum großen Almatiner See auf 2.500 Metern Höhe. Diesmal sind die Kameras geladen. Leider gelingt es mir trotzdem nicht, den kasachischen Steinadler, der über uns seine Kreise dreht, zu erwischen. Bin wohl zu sehr mit Starren beschäftigt, so eindrucksvoll ist es, diesen riesigen Vogel in freier Wildbahn zu erleben. Bislang kannte ich ihn lediglich aus dem Münchner Zoo. Der See ist aber auch beeindruckend. Entstanden ist dieser See wohl vor rund 2.000 Jahren durch Spaltenbildung nach einem Erdbeben. Folgt man der Straße, die am See vorbeiführt, kommt man schnell an die kirgisische Grenze. Da wir dafür aber kein Visum haben, fahren wir wieder zurück und genießen einen sonnigen Abend in der Stadt. Nachdem wir schon einige der kasachischen Nationalspeisen wie Beschbarmak, Plow, Manti, Lagman und Baursaki probiert haben, trauen Flo und ich uns am letzten Abend noch, das Nationalgetränk Kumys zu probieren – vergorene Stutenmilch. Sagen wir mal, es war ein spezielles Erlebnis, der Geschmack ist doch sehr gewöhnungsbedürftig. Da bin ich nicht traurig, dass Papa den Rest von meinem Kumys trinkt. 🙂

Und schon geht unser Urlaub zu Ende. Die Reise in die Vergangenheit war aufregend, anstrengend, schön und sehr erlebnisreich. Mehr hätten wir in den zwei Wochen wohl kaum machen können. Aber es gibt noch so vieles in diesem großen Land, dass wir noch sehen wollen. So befindet sich der zweitgrößte Canyon “nur” rund 250 Kilometer östlich von Almaty im Scharyn Nationalpark. Nur um mal eines der Ziele zu nennen, die noch auf uns warten. Daher steht am Ende für uns fest: Dieses Land hat uns nicht zum letzten Mal gesehen!

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